25. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
… wünschen euch Thomas und Daniel von USA Blogger. Zum Fest ein passendes Video:
Keine Sorge, dabei handelt es sich um Satire. Nicht unbedingt seitens des Sängers Toby Keith, der das durchaus ernst meinen könnte, hat er uns doch auch schon die faszinierende Line “We’ll put a boot in your ass, it’s the American way” beschert. Aber die Sendung, in der das Lied performt wurde, hat eine klar parodistische Grundhaltung, was man auch an den visuellen Gegenüberstellungen im Clip sehen kann.
Satire oder nicht, auf der amerikanischen Rechten macht sich wie jedes Jahr die Wahnvorstellung eines Krieges gegen Weihnachten breit. Der Vorwurf eines sekulären Angriffes auf das Weihnachtsfest durch liberale Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU gehört zum alljährlichen Standardrepertoire des Fox News Prime-Time Demagogen Bill O’Reilly und ist schon zu einer Festtagstradition wie Egg Nog und Truthahn geworden.
O’Reilly sieht in der Weigerung verschiedener Ketten ihren Kunden “Frohe Weihnachten” zu wünschen, eine liberale Verschwörung, die viel weitreichender ist als die meisten glauben. (weiterlesen…)
22. Dez 2008
von
Daniel -
Wie mein Kollege Thomas schon erwähnte, ist die Wahl in den USA noch nicht ganz vorbei. In Minnesota war das Ergebnis, ein Vorsprung von 475 Stimmen die Norm Coleman vor Al Franken lag, derart knapp, dass eine Nachzählung oder Recount erforderlich war ( laut Wahlgesetz in Minnesota gibt es einen automatischen Recount, wenn der Stimmenuntersched unter 0.5% liegt, und keiner verzichtet ). Nach einer ersten Nachzählung der Stimen gab es Mitte bis Ende letzter Woche, in den Sitzungen des Canvassing Boards, Entscheidungen über die Einsprüche der Kontrahenten.
Der Ausschuss hat die Möglichkeit, durch Mehrheitsentscheiung:
- Stimmen bzw Stimmzettel einem Kandidaten gutzuschreben
- Bei Feststellung einer ‘identfying mark’ also einer Rückverfolgbarkeit der Stimme sie für ungültig zu erklären
- Die Stimme als undervote ( zu wenige Stimmen abgegeben, d.h. keine ) oder overvote ( zu viele Stimmen abgegeben ) zu werten
- bei Nichterkennbarkeit des Wählerwillens die Stimme keinem gutzuschreiben
Durch den Livestream des Star Tribune konnte man das ‘Spektakel’ mitverfolgen, wobei man, meiner Meinung nach ( ich habe an zwei Tagen je ca. 3 Stunden ausgehalten ), einen guten Einlick in den Prozess bekam, Transparenz demonstriert werden konnte und die von dem Ausschuss eingesetzten Bewertungsregeln nachvollziehbar waren ( inwieweit sie stringent angewendet wurden, bleibt vor allem bei Brett Favre/Lizard People fraglich, aber dass kann man sicherlich als exotischen Einzelfall werten ).
(weiterlesen…)
21. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
So lautete eine Frage beim Geographiequiz von “Schlag den Raab”, was vorhin bei mir im Hintergrund lief. Der Kandidat, Markus, hat den Geburtsort des kommenden Präsidenten irgendwo in die Südstaaten verfrachtet (ungefähr bei Louisiana), während Stefan, auch wenn er es nicht genau wusste, recht nah an der richtigen Antwort, Honolulu im Bundesstaat Hawaii, dran war.
Ich erwähne das hier, weil Obamas Geburtsort während des Wahlkampfes ein heiß umstrittenes Thema war, besonders in der Anti-Obama-Rechten. Es gab ja bekanntlich eine recht weitläufige Flüsterkampagne, die Obama als unamerikanisch und alien darstellen wollte. Schon 2004 begann eine E-Mail Kampagne, die dann mit der Präsidentschaftskandidatur richtig losbrach, in der Obama als “secret Muslim” dargestellt wurde, der Teil eines Planes sei, die USA von innen zu zerstören (einige Bespiele).
Das spielte auch im Vorwahlkampf schon früh eine Rolle, als Hillary Clintons Berater Mark Penn in einem internen Memo vorschlug, Obamas “Mangel an amerikanischen Wurzeln” zum Wahlkampfthema zu machen. Im weiteren Verlauf des Wahlkampfs, besonders als Clinton immer weiter ins Hintertreffen geriet, kamen immer mehr Attacken dieser Art ins Spiel. Zum Beispiel beschwerte sich die Obama-Kampagne, dass dieses Foto von Obama in muslimisch wirkender Kleidung angeblich durch die Clinton-Kampagne in die Presse gehievt wurde. (weiterlesen…)
19. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
Dem armen 3-jährigen Adolf Hitler Campbell aus New Jersey wurde der Geburtstag am Sonntag nun ordentlich vermiest. Die Kette ShopRite in Greenwich hat ihm nämlich eine mit seinem Namen beschriftete Geburtstagstorte verweigert. Die Eltern verstehen die Welt nicht mehr, schließlich haben sie ja auch nicht, wie in früheren Jahren, auf ein Hakenkreuz bestanden! Ob jetzt auch seine beiden Schwestern, JoyceLynn Aryan Nation Campbell (1) und Honszlynn Hinler Jeannie Campbell (8 Monate), deren Geburtstage bald anstehen, ähnlich diskriminiert werden?
Wer sich jetzt fragt, warum das so ein Skandal ist, muss wohl zu den 25% Prozent gehören, denen der Name Adolf Hitler nichts sagt.
Ich weiß bei solchen Geschichten selbst nie, ob ich erschrocken oder belustigt sein soll. Das hat aber stark mit den paralellen Rezeptionen der Person Hitler im amerikanischen Kontext zu tun. Auf der einen Seite wird Hitler in der Populärkultur derart häufig referiert und in der Diskussionskultur missbraucht, dass seine Aura dort in einer Weise gebrochen ist, wie das hierzulande undenkbar wäre. (weiterlesen…)
16. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
Nein, nicht die US Wahl. Die ist nämlich noch in vollem Gange…
Die Rede ist natürlich von uswahl2008.de, dem Wahlblog des Handelblatt-Redakteurs und -bloggers Georg Watzlawek. Heute hat er das Ende seines Blogs verkündet, was eigentlich recht schade ist, weil das einer der wenigen guten deutschsprachigen US-Blogs war. Aber das Ende war wohl letztendlich aufgrund des teleologischen Blog-Titels unvermeidlich. (weiterlesen…)
16. Dez 2008
von
Daniel -
Schon während des Wahlkampfes bekam Afghanistan eine neue Bedeutung, indem, vor allem von demokratischer Seite, dieser Krieg als eigentlicher Krieg gegen den Terrorismus und bin Laden gesehen wurde und somit eine Abgrenzung zum Irakkrieg verdeutlicht werden konnte.
Im Zuge der Transition lassen sich nun erste Schwerpunkte sehen, ohne dass jedoch die eigentliche Strategie und ihre Umsetzbarkeit breit diskutiert würden, da sie noch “unverbindlich” stattfinden. Es wird oft betont, dass der Erfolg des Irak-’surge’ es Obama möglich macht, bis zu 3 Brigaden nach Afghanistan zu verlegen, wobei allerdings, meiner Meinung nach, übersehen wird, dass die Diskussion um die stop-loss-policy (also die unfreiwillige Verlängerung der Dienstzeit), mit der die Truppenstärke im Irak künstlich hochgehalten wird, wiederkehren wird und für Obama einige Probleme bereiten könnte.
Eine weitere Entwicklung ist die Pakistans, ein Streitthema, vor allem im Vorwahlkampf, da Obama davon sprach, bei Kenntniss von bin Ladens Aufenthaltsort in Pakistan diesen bombardieren lassen würde, wenn Pakistan dies nicht könne oder wolle. Die USA hat, durch den Abgang Pervez Musharrafs, zwar einen treuen Verbündeten verloren, aber, mit Asif Ali Zardari, jemanden als Ansprechpartner gewonnen, der wohl noch abhängiger von der Hilfe der USA ist, vor allem um die Armee und den Geheimdienst ISI, über die er weniger Kontrolle als Musharraf haben dürfte, in Schach zu halten.
(weiterlesen…)
16. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
Als ich einem Freund von mir vor ein paar Wochen erzählte, dass wir einen USA Blog starten wollten, antwortete er etwas ungläubig, dass wir beide, Daniel und ich, doch zur Zeit in Europa sind. Dass ich das schon überhaupt nicht als Einstiegsbarriere wahrgenommen habe, zeigt eigentlich wie stark die Welt in den letzten Jahren informationstechnisch zusammengewachsen ist. Thomas Friedman’s Rhetorik von der sich verflachenden Erde mag ja immer etwas erheiternd anmuten, aber sie trifft die Sache im Kern.
2004 zur Bush-Kerry Wahl wäre es viel schwieriger gewesen, so nah am Alltagsgeschehen der Kampagne dran zu bleiben wie es in diesem Jahr möglich war. Das liegt auch meines Ermessens eigentlich nur sekundär an Entwicklungen in Deutschland (wie die im Vergleich zu 2004 knapp 3x gesteigerten DSL-Verbreitung). Natürlich gab es in diesem Jahr anders als bei der vergangenen Wahl mit Barack Obama einen sympathischen und inspirierenden Kandidaten, der in diesem Jahr alle deutschen Politiker überstrahlt hat.
Es gab eine ganze Reihe von Umwälzungen in der Infrastruktur der amerikanischen Mediasphäre, die zu einer aktiveren Teihabe am politischen Geschehen geführt haben. Der entscheidende Faktor dabei war ganz klar die zunehmende Wichtigkeit des Internets als politisches Medium. Die Saat wurde eigentlich durch die hoffnungsvoll begonnene aber durch einen fabrizierten Skandal frühzeitig beendete Kampagne des Irakkrieggegners und derzeitigen DNC Vorsitzenden Howard Dean gesät.
Sein Kampagnenleiter Joe Trippi verstand es großartig, die damaligen Möglichkeiten des Internets zu nutzen. Zu der Zeit war es eine kleine Revolution, dass das Finanzierungsmodell seiner Kampagne hauptsächlich auf die Zuwendungen junger Wähler von unter $100 beruhte. Neue, enthusiastische Wähler wurden in die Kampagne integriert, z.B. durch das heute etwas aus der Mode gekommene Meetup.com. Die New York Times schrieb beinahe erstaunt ob dieser Entwicklung:
Successful Internet solicitation means more than just starting a Web page, as most politicians did years ago. Rather, it is a tactic intended to keep Internet supporters engaged.
Natürlich wurde das alles nach der Schrei-Affäre als Sturm im Wasserglas gewertet. (weiterlesen…)
15. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
Noch-Präsident George W. Bush ist heute um ein Haar einem Attentat entkommen – mit einem Schuh!
Was bisher nur ein mittelmäßiger Gag aus Austin Powers war, ist heute Wirklichkeit geworden: ein irakischer Journalist, Muntadhar al-Zaidi, der laut CNN für den in Ägypten angesiedelten Sender al-Baghdadia arbeitet, hat während einer gemeinsamen Pressekonferenz von Bush und dem irakischen Premier al-Maliki mit beiden Schuhen nach dem amerikanischen Präsidenten geworfen, der ihnen nur knapp ausgewichen ist.
Wie Karim El-Gawhary in der taz berichtet, ist ein solcher Schuhwurf im arabischen Kulturraum eine schlimme Beleidigung, wie übrigens auch das Epithet in dem den Schuhwurf begleitenden Ausruf, “Das ist ein Abschied… du Hund!” Bush jedenfalls nahm die Sache mit seiner Art von Humor, und bemerkte, dass es sich ein Schuh der Größe 10 handelte (bzw. für Detailverliebte, Größe 44). (weiterlesen…)
13. Dez 2008
von
Daniel -
Es ist schon erstaunlich, auf welche Zustimmungsraten Obama kurz nach der Wahl kommt. Lag er während des Wahlkampfes schon einmal bei 47% während der Berichte um den Pastor Wright, so hat er sich seit der Wahl auf unglaubliche 79% (CNN: Obama honeymoon continues poll shows) erhöht. Die einzelnen Sprünge kann man gut anhand der Rasmussen Daily Presidential Approval Index nachvollziehen.
Die Steigerung beinhaltet sicher den Amtsbonus, den George W. Bush sicherlich immer weniger zugute kommt, bzw. sich bei ihm schon seit langem ins Negative gedreht hat, weshalb man bei Obama wohl das Zusammenspiel vieler Faktoren sehen kann, denn die Meinung der US-Wähler, wie sie in Zustimmungspolls gemessen wird, spiegelt sich in der öffentlichen, durch die Medien wiedergegebene Sichtweise wieder. Hier sieht man, dass Bushs Rolle unterbewertet wird, seine Entscheidungen werden, obwohl sie Obama teilweise binden werden (v.a. Personalentscheidungen, Executive orders), kaum noch wahrgenommen. Obama hingegen wird schon als Präsident angesehen, trotz seiner korrekten Hinweise, dass er de jure noch keine Macht hat.
Interessant wird es meiner Meinung nach zu sehen, ob der Kongress bzw. die demokratische Führung desselben, ihre Rolle in der Transition zu einer Popularitäts- und Einflussteigerung nutzen kann, denn sie stellt eine Konstante im Übergang dar.
Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die Ablehnung des Rettungspakets für die Automobilindustrie allein den Republikanern oder dem Kongress zugerechnet wird.
13. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
Heute war Amy Goodman, die bekannte amerikanische Grassroots-Journalistin und Gewinnerin des diesjährigen alternativen Nobelpreises, an der Humboldt-Universität in Berlin zu Gast, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte. Goodmans Fernseh- und Radiosendung Democracy Now! ist insofern einzigartig, als dass es komplett an großen Firmen vorbei läuft, indem es sich auf ein Netzwerk von lokalen Sendern, Satellitenfernsehen und -radio und dem Internet als Medium verlässt, aber trotzdem in den USA und inzwischen auch international eine enorme Reichweite hat. Dabei versteht sich Goodman als Chronistin der von den Mainstream-Medien vernachlässigten, also der Protestbewegungen und AktivistInnen in und außerhalb der USA.

Der Abend fing mit ein paar Unstimmigkeiten an: zuerst musste der Raum aufgrund des massiven Andrangs gewechselt werden. Dann wurde Frau Goodman mehrmals von einer nicht ganz geistesgewärtigen Störerin, die sie für Susan Sontag hielt, unterbrochen, die dann etwas unschön des Raumes verwiesen wurde. Aber dann entwickelte sich die Veranstaltung doch zu einer sehr lohnenswerten Sache. Es ist schon recht erstaunlich, dass eine so zierliche, etwas Hippie-haft wirkende Frau eine so toughe, kompromisslose Aura entwickeln kann. (weiterlesen…)