…zumindest wenn in Deutschland das amerikanische Wahlsystem verwendet würde. Dann nämlich hätte Gesine Schwan eine satte Mehrheit der Stimmen bekommen und hätte Horst Köhler auf einem abgeschlagenen zweiten Platz hinter sich gelassen.
Da ich immer noch auf US Wahl-Entzug bin, habe ich mal dieses nette “was-wäre-wenn”-Szenario durchgerechnet. Als Datenbasis habe ich die Ergebnisse der letzten deutschen Bundestagswahl 2005 gewählt, weil das das letzte Mal war, an dem in allen Bundesländern am gleichen Tag abgestimmt wurde.
Ihr erinnert euch bestimmt noch, wie die US Wahl läuft: 538 Wählmänner und -frauen werden entsprechend der jeweiligen Bevölkerungszahl auf alle 50 Bundesstaaten aufgeteilt. Staaten mit größerer Bevölkerung haben also ein größeres Stimmvolumen, so hat z.B. ein großer Staat wie Kalifornien 55 Wahlmännerstimmen und ein bevölkerungsarmer Staat wie Vermont nur 3 Stimmen. Dabei werden die Stimmen nach dem Winner-Takes-All Prinzip vergeben, d.h. dass dem Sieger in eines Staat, auch mit relativer Mehrheit, alle Stimmen des Staates zugesprochen werden. Daraufhin treffen sich diese Wahlleute im electoral college, der Bundesversammlung gar nicht so unähnlich, um dann den Präsidenten oder (in diesem Fall) die Präsidentin zu wählen.
Anhand der Schätzungen des Bundeswahlleiters zu den Wahlberechtigten in jedem Bundesland habe ich den prozentuellen Anteil der wahlberechtigten Bevölkerung jedes Bundeslandes ermittelt und dementsprechend 538 Wahlmännerstimmen verteilt. Das sieht dann so aus:
| Wahlberechtigte (in Mio) | Bevölkerungs-anteil | Wahlleute (gerundet) | |
| Baden-Württemberg | 7,7 | 12,40% | 67 |
| Bayern | 9,3 | 14,98% | 81 |
| Berlin | 2,5 | 4,03% | 22 |
| Brandenburg | 2,1 | 3,38% | 18 |
| Bremen | 0,5 | 0,81% | 4 |
| Hamburg | 1,2 | 1,93% | 10 |
| Hessen | 4,4 | 7,09% | 38 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 1,4 | 2,25% | 12 |
| Niedersachsen | 6,1 | 9,82% | 53 |
| Nordrhein-Westfalen | 13,5 | 21,74% | 117 |
| Rheinland-Pfalz | 3 | 4,83% | 26 |
| Saarland | 0,8 | 1,29% | 7 |
| Sachsen | 3,5 | 5,64% | 30 |
| Sachsen-Anhalt | 2 | 3,22% | 17 |
| Schleswig-Holstein | 2,2 | 3,54% | 19 |
| Thüringen | 1,9 | 3,06% | 17 |
So, nun bleibt nur noch der Schritt, den Sieger jedes Bundeslandes zu ermitteln und die Stimmen dann dementsprechend zu verteilen.
| Wahlleute | Sieger | |
| Baden-Württemberg | 67 | CDU |
| Bayern | 81 | CSU |
| Berlin | 22 | SPD |
| Brandenburg | 18 | SPD |
| Bremen | 4 | SPD |
| Hamburg | 10 | SPD |
| Hessen | 38 | SPD |
| Mecklenburg-Vorpommern | 12 | SPD |
| Niedersachsen | 53 | SPD |
| Nordrhein-Westfalen | 117 | SPD |
| Rheinland-Pfalz | 26 | CDU |
| Saarland | 7 | SPD |
| Sachsen | 30 | CDU |
| Sachsen-Anhalt | 17 | SPD |
| Schleswig-Holstein | 19 | SPD |
| Thüringen | 17 | SPD |
Grafisch sieht das dann so aus:

Man sieht’s glaube ich schon, eine ganz klare Sache. Das amtliche Endergebnis hieße bei dieser Präsidentschaftswahl also:
| Gesine Schwan | 334 |
| Horst Köhler | 204 |
Eine ziemlich derbe Niederlage also für Köhler, wenngleich er sich nicht ganz so schlecht schlüge wie John McCain.

