Artikel von ‘2009’

Britisch-amerikanische Beziehungskrise?

Der Newsweek Journalist Stryker McGuire muss sich in der vergangen Woche ordentlich auf die eigene Schulter geklopft haben – vor nur wenigen Wochen veröffentlichte er einen Artikel, in dem er das Ende der “besonderen Beziehung” zwischen Großbritannien und den USA prophezeiht hat, und jetzt nach dem US-Besuch des britischen Premierministers Gordon Brown haben sich tatsächlich die ersten Risse in den transatlantischen Beziehungen aufgetan. Zumindest wenn man der britischen Presse glauben darf

Die zeigte sich nämlich geradezu hysterisch ob der Tatsache, dass die von Downing Street schon angekündigte gemeinsame Pressekonferenz von Obama und Brown dann doch nicht stattfinden sollte. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, hat Robert Gibbs in der Pressekonferenz das britisch-amerikanische Bündnis als “Partnerschaft” bezeichnet, statt, wie im britischen Sprachgebrauch üblich, als “Beziehung”.

Über Obamas Motive hier kann man nur spekulieren. Und die britische Presse tut bekanntlich nichts lieber als das. Besonders in den Blogs der halbseriösen rechts-konservativen Daily Telegraph scheint dieses Thema nach wie vor an der Tagesordnung zu sein. Da werden die bizarrsten Theorien in den Raum geworfen, zum Beispiel, dass Michelle Obamas Hass auf die weißen Briten schuld sei (natürlich völlig ohne Belege). Das Weiße Haus selbst gibt an, dass Obama müde gewesen sei, was als Grund jetzt auch nicht wirklich sehr überzeugend ist. (weiterlesen…)

Genderneutralität auf amerikanisch

Heute ist Weltfrauentag – und daher nehmen wir ihn als Anlass nach dem Vorbild der taz zu einer Themenreihe über genderpolitische Fragen. Also wenn ihr dazu einen Beitrag habt – und das gilt in diesem Fall natürlich insbesondere für unsere Leserinnen (kleines i) – dann her damit!

Also mal als Einstieg ein kleiner political correctness Knigge für den amerikanischen Gebrauch: wie ihr sicher schon festgestellt habt, bemühe ich mich im Blog darum, mittels des sogenannten Binnen-Is möglichst inklusiv in meiner Sprachverwendung zu sein. Wenn man z.B. auf deutsch von Politikern redet, muss man sich klar machen, dass dadurch Politikerinnen ausgeschlossen werden. Daher sollte diese Form eigentlich nur verwendet werden, wenn es sich tatsächlich um eine Gruppe männlicher Politiker handelt.

Ich garantiere jetzt keine 100%-ige Konsequenz in der Anwendung – und es gibt Formen bei denen es schlichtweg falsch wäre, z.B. ist Demokraten die Übersetzung der gängigen englischen Parteibezeichnung ‘Democrats’. Wenn also von der Partei die Rede ist, heißt es also konsequenterweise ‘Demokraten’; wenn es aber um die Mitglieder geht, ‘DemokratInnen’ (lies: Demokratinnen und Demokraten).

Das Beispiel ist übrigens spannend, weil die demokratische Partei im politischen Diskurs oft als weiblich dargestellt wird, teilweise weil ihre Wählerbasis überwiegend weiblich ist, teilweise weil RepublikanerInnen (you see?) sie als schwach und verweichlicht schmähen wollen, im Gegensatz zum sicheren und handlungsstarken republikanischen Männerideal, wie er insbesondere durch Ronald Reagan verkörpert wurde. In ähnlicher Weise feminisiert Robert Kagan auch Europa, wenn er in Anlehnung an die populäre Geschlechterverhältnisliteratur behauptet: “Americans are from Mars and Europeans are from Venus: They agree on little and understand one another less and less.”

Jedenfalls, in Deutschland geht also die Tendenz eher hin zur sprachlichen Ausdifferenzierung der Geschlechterbezeichnungen, was zu großen Teilen daran liegt, dass es im Deutschen eine Korrespondenz zwischen grammatischem Genus (der, die, das) und Geschlecht gibt – gerade bei Personenbezeichnungen. Im Englishen ist die Tendenz genau umgekehrt. (weiterlesen…)

Wieder am Start

So Leute, ich weiß, wir haben erst mal eine längere Blogpause eingeschoben. Also wollte ich nur schon mal verkünden – wir sind wieder zurück mit neuem Elan und widmen uns ab sofort wieder dem Blog. Es sind auch schon einige neue Features in Planung, und wir sind uns eigentlich recht sicher, dass ihr da Gefallen dran finden werdet.

Die erste Änderung ist, dass ich hieraus einen Real-Name-Blog machen will – schließlich sollt ihr ja auch wissen, wessen Geschreibsel ihr hier lest. Also, mein Name ist Thomas Furlong und ich bin Amerikanist in spe. Ich studiere noch in Köln, aber bin jetzt für eine Weile nach Berlin gezogen und jobbe dort in einer Internet Marketing Agentur. Ursprünglich komme ich aus Brighton im Süden Englands, lebe in Deutschland schon seit meiner Kindheit und habe vor ein paar Jahren auch eine Zeitlang in den USA (Rochester, NY) gewohnt.

Ich blogge über die USA, weil mich das Land trotz oder gerade wegen der vielen Widersprüche immer fasziniert hat. Und weil ich zum Verständnis der komplexen Kultur dieses Landes beitragen will. Mir geht nämlich der plumpe Anti-Amerikanismus von Bush-Bashern nämlich genauso auf die Nerven wie die oft weitgehend unüberlegte Obamanie, die jetzt scheinbar vorherrscht. Die USA, wie fast alles, sind nämlich fundamental simplex – simple Angelegenheiten sind immer komplexer als sie scheinen und Komplexes ist wiederum immer einfacher. Klingt weird, aber es ist normalerweise immer eine Sache von Betrachtungsebenen.

Ich bin daher ehrlich gesagt ganz froh, nicht direkt am Anfang der Obama Präsidentschaft drauflosgebloggt zu haben, denn ganz ehrlich, nach so einem Einschnitt ist es auch wichtig, ein Gefühl für die neue Situation zu gewinnen. Die deutsche und die amerikanische Mediasphäre taumeln auch immer noch etwas hin und her und haben noch keine klare Position zu den neuen Verhältnissen gefunden.

Aber so langsam werden Linien und Strukturen erkennbar, einiges hat sich drastisch geändert, bei anderen Sachen ist der seismische Schock dann doch wieder ausgeblieben. Wir werden sehen, was die Zeit bringt – aber auf jeden Fall könnt ihr wieder auf USA Blogger nah am Geschehen dran bleiben. Wir freuen uns über alle, die dabei geblieben sind, und freuen uns natürlich genauso über alle neue Leser und Leserinnen, die dazu kommen wollen.

Und wenn ihr hier auh mitmachen wollt, oder auch einfach nur mal einen Beitrag bei uns posten wollt, dann mailt mich doch einfach an unter: thomas [at] usa – blogger.de (natürlich umformatieren, ich hab halt keinen Bock durch Massen von Spam zu wühlen…) – Thomas

Obamas erste Tage

Die Inauguration ist vorbei, Obama ist Präsident (sogar doppelt abgesichert) und erbt von George W. Bush eine satte Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses (nur Franken fehlt ja noch).

Doch Obama bekommt mit der Präsidentschaft ebenso die von Bush stetig erweiterte Machtfülle, die die Exekutive inzwischen über Legislative und Judikative hat. Der Kongress, allen voran Nancy Pelosi und Harry Reid, versucht beim Bailout zwar bereits wieder an Einfluss und Kontur zu gewinnen; ob er allerdings Privilegien wie executive orders begrenzen wird, ist fraglich.

Barton Gellman hat in der Washington Post in einem sehr lesenswerten Artikel diesen Aspekt näher betrachtet und arbeitet ein paar, meiner Meinung nach, sehr interessante Punkte heraus. Obamas Zustimmungsraten, die erweiterten Befugnisse des Staates (bei Terrorabwehr, internationalen Verträgen etc.), seine grassroots campaign, die ihn unabhängiger macht, um nur einige zu nennen.

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META: Technische Probleme

So, alle Probleme behoben – danke für die Geduld. Und jetzt weiß ich einiges mehr über mysql-Datenbanken…

111. US Senat (so gut wie) vollständig

Seit Abgeordnete Kirsten Gillibrand vor zwei Tagen von Governeur Paterson berufen wurde, Hillary Clintons freigewordenen Senatssitz einzunehmen, ist die Zusammensetzung des 111. US Senats nun endgültig klar. Auch wenn der Satiriker Al Franken, der laut Endauszählung mit 225 Stimmen (0,01%) vorne liegt noch nicht offiziell zum Sieger der umkämpften Wahl erklärt werden kann, weil sein Gegenkandidat Norm Coleman ein schlechter Verlierer ist und gegen das Ergebnis Klage eingereicht hat. Coleman sieht seine Niederlage wohl auch inzwischen als fait accompli, denn er hat schon einen Job bei der Republikanisch-Jüdischen Koalition akzeptiert.

Somit wird die Sitzverteilung im neuen US-Senat wie folgt aussehen:

Sitzverteilung im 111. US-Senat - Demokraten: 57 Sitze, Independents: 2 Sitze, Republikaner: 41 Sitze

Das wirkt zuerst einmal wie eine überzeugende Mehrheit – noch überzeugender, wenn man die beiden unabhängigen Senatoren, den Sozialisten Bernie Sanders und den einstigen Vizepräsidentschaftskandidaten und heutigen demokratischen Renegade Joe Lieberman, zum demokratischen Block hinzurechnet.

Es gibt jedoch einige Faktoren, durch die einer reibungslosen Umsetzung der Obama-Agenda im Senat im Wege stehen: (weiterlesen…)

Die Antrittsrede von Barack Obama (deutsch)

Hier ist meine Übersetzung der Amtsantrittsrede des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama, vom 20.01.2009. Das Original findet ihr hier.

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Endlich heißt es ‘Präsident Obama’

Seit gestern ist es endlich auch offiziell: Barack Hussein Obama ist nun der 44. Präsident der Vereinigten Staaten!

Das Kapitol am Vorabend der Inauguration

Das Kapitol am Vorabend der Inauguration - Foto von Burnt Pixel @Flickr

Ich bin recht sicher, dass ihr alle live am Fernseher mit dabei wart, also spare ich mir mal eine Zusammenfassung der Ereignisse. Einige Anmerkungen müssen aber sein:

  • Die Diskussionen gehen natürlich los, ob Obamas Rede in die Geschichte als eine der großen Amtseinführungsreden eingehen wird. Der Konsens hier geht aber eher Richtung nein. Verschiedene Kommentatoren suchen natürlich auch Spuren von Reden vergangener Präsidenten in Obamas Ansprache. So kam ein sehr beeindruckender Teil der Rede aus einer Rede George Washingtons – und es sind auch Parallelen zu Franklin Roosevelts erster Inaugural Address zu erkennen.
  • Beim Amtseid gab es einige kleine Unstimmigkeiten. Zuerst fiel Obama Chief erzkonservativen Justice Roberts, gegen dessen Nominierung er als Senator noch stimmte, ins Wort, als er zu früh mit dem Nachsprechen begann des Eides begann. Sekunden später konnte er sich genüsslich revanchieren: der Oberste Bundesrichter zitierte den Eid falsch aus der Verfassung, und Obama sprach folglich nicht weiter, bis er sich korrigiert hatte. (weiterlesen…)

Die düstere Zukunft der Republikanischen Partei

Der aktuelle Nobelpreisträger für Ökonomie, Paul Krugman, hat in seiner Kolumne in der New York Times in der vergangenen Woche Gedanken um de Zukunft der Republikanischen Partei gemacht. In einer für ihn typischen Zuspitzung charakterisiert er die Strategie der GOP (Grand Old Party) in den letzten 40 Jahren als Anbiederung an die schlimmsten Ressentiments und Rassismen der Bevölkerung und prognostiziert der Bush-Partei, sollte sie den aktuellen Kurs weiterfahren, eine düstere Zukunft.

Da ist glaube ich ein wenig Background-Wissen vonnöten, um der Argumentation zu folgen: Ursprünglich war die republikanische Partei eigentlich die liberalere Partei im amerikanischen Zweiparteiensystem, immerhin trat ein gewisser Senator Abraham Lincoln aus Illinois 1860 für die damals noch sehr junge republikanische Partei an, und zwar gegen eine demokratische Partei, die im Grunde als Vertreterin der Sklavenhaltergesellschaft der Südstaaten auftrat. Heute wird Lincoln von African Americans als Vater der Emancipation Proclamation, die die Sklaverei in den Vereinigten Staaten beendet hat, gewürdigt.

Der Wandel der Republikanischen Partei vollzog sich größtenteils im 20sten Jahrhundert, angefangen in den 1930ern, als die Demokraten sich im Kontext der Wirtschaftskrise als Partei der kleinen Leute etabliert haben. Besonders interessant ist dabei das Wahlverhalten der African Americans. (weiterlesen…)