Britisch-amerikanische Beziehungskrise?

Der Newsweek Journalist Stryker McGuire muss sich in der vergangen Woche ordentlich auf die eigene Schulter geklopft haben – vor nur wenigen Wochen veröffentlichte er einen Artikel, in dem er das Ende der “besonderen Beziehung” zwischen Großbritannien und den USA prophezeiht hat, und jetzt nach dem US-Besuch des britischen Premierministers Gordon Brown haben sich tatsächlich die ersten Risse in den transatlantischen Beziehungen aufgetan. Zumindest wenn man der britischen Presse glauben darf

Die zeigte sich nämlich geradezu hysterisch ob der Tatsache, dass die von Downing Street schon angekündigte gemeinsame Pressekonferenz von Obama und Brown dann doch nicht stattfinden sollte. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, hat Robert Gibbs in der Pressekonferenz das britisch-amerikanische Bündnis als “Partnerschaft” bezeichnet, statt, wie im britischen Sprachgebrauch üblich, als “Beziehung”.

Über Obamas Motive hier kann man nur spekulieren. Und die britische Presse tut bekanntlich nichts lieber als das. Besonders in den Blogs der halbseriösen rechts-konservativen Daily Telegraph scheint dieses Thema nach wie vor an der Tagesordnung zu sein. Da werden die bizarrsten Theorien in den Raum geworfen, zum Beispiel, dass Michelle Obamas Hass auf die weißen Briten schuld sei (natürlich völlig ohne Belege). Das Weiße Haus selbst gibt an, dass Obama müde gewesen sei, was als Grund jetzt auch nicht wirklich sehr überzeugend ist.

Brown hat in seiner Rede vor beiden Kammern des Kongresses jedenfalls daraufhin den Faux-Pas von Gibbs indirekt auszubügeln versucht, indem er eine Partnerschaft als noch gewichtiger als eine Beziehung definierte. Die Rede wurde allgemein auch sehr gut aufgenommen, und er zog mit 19 Standing Ovations mit dem Rekord seines Amtsvorgängers und Rivalen Tony Blair gleich. Ich fand es ziemlich beeindruckend, wie Brown den Kongressabgeordneten erst schmeichelte und sie auf seine Seite zog, um dann den bei vielen Demokraten keimenden Protektionismus zu attackieren und um konkrete Maßnahmen bzgl. Klimawandel und Bankenkrise für den kommenden G20-Gipfel zu fordern. Aber seht selbst.

Trotzdem geht die Kontroverse weiter: das Gastgeschenk Obamas an Brown ist in der britischen Presse nun auch zum Politikum geworden. Brown schenkte Obama unter anderem einen Stifthalter, der aus dem Holz der HMS Gannet geschnitzt wurde. Ein Schiff, welches zu seiner Zeit Sklavenschmuggler jagte. Obama schenkte Brown im Gegenzug 25 DVDs.

Gut, das wirkt vielleicht etwas lachhaft, aber das ist nicht das erste Mal, dass ein US-Staatsoberhaupt DVDs verschenkt. Als ich vor einer Weile im Bundeskanzleramt war, entdeckte ich folgendes Geschenk von George W. Bush an Angela Merkel:

Gastgeschenk von George W. Bush an Angela Merkel

Gut, klar, Obama soll bestimmt nicht in die Fußstapfen von George Bush treten, was die außenpolitischen Beziehungen zu Europa angeht. Aber Bush verstand sich immer gut mit Merkel – vielleicht etwas zu gut – und das Geschenk war daher sicher nicht als Beleidigung gemeint. Auch wenn die DVDs noch verschweißt sind. Ich habe damals zumindest nichts dergleichen in der deutschen Presse gelesen.

Das Weiße Haus bemüht sich nun jedenfalls um Schadensbegrenzung. In einer Pressemitteilung wurde bekannt gegeben, dass es nach dem Treffen der beiden Regierungschefs noch ein sehr herzliches zehnminütiges Telefonat gegeben hat, in dem Obama Brown für seine Rede gratuliert habe und ihm für sein Geschenk nochmals gedankt habe.

Natürlich ist hier eine gesunde Portion Skepsis angesagt, aber ich vermute, dass die Probeme, wenn sie denn existieren, eher an der persönlichen Chemie Browns und Obamas liegen, als an einem drohenden Zusammenbruch der britisch-amerikanischen Beziehungen. Die Beziehung Obama-Blair gedeiht nämlich hingegen prächtig, was Brown mehr als ärgern dürfte. Die Berichterstattung in den britischen Zeitungen zeigt aber, dass McGuire bei aller berechtigter Kritik in einem Punkt doch recht hat: das Problem an der Beziehung sei nämlich, so schreibt er, dass sich die Briten zu sehr an ihre “besondere Beziehung” mit Washington klammern, um eigenes Zutrauen entwickeln zu können.

P.S. Übrigens auch beim Bundeskanzleramtbesuch gesehen: diesen schmucken Hut, den Lyndon B. Johnson einst Ludwig Erhard schenkte:

Gastgeschenk von Lyndon B. Johnson an Ludwig Erhard

3 Kommentare zu “Britisch-amerikanische Beziehungskrise?”

  1. #1 Thomas Furlong
    am 10. Mrz 2009 um 20:48

    Den wohl amüsantesten Wochenrückblick über britisch-amerikanische Angelegenheiten liefern übrigens John Oliver und Andy Zaltzman regelmäßig auf dem Times Online Podcast The Bugle – unbedingt reinhören!

  2. #2 Frank
    am 15. Mrz 2010 um 19:04

    Soll die Krise wohl mit Hilfe der Geschenkideen deutlich sein?

  3. #3 Thomas Furlong
    am 16. Mrz 2010 um 16:17

    Welche Geschenkideen meinst du Frank? Die Fotos stammen aus einem Besuch im Bundeskanzleramt und sollen bestimmt nicht zum Kauf verleiten… schließlich handelt es sich dabei um unverkäufliche Staatsgeschenke.

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