Über Thomas

Bald steht hier wieder etwas…

Hallo Leute,

schön, dass hier immer noch so viele Leute vorbeischauen, auch wenn wir jetzt seit gut zwei Jahren nicht mehr geschrieben haben.

Dann wird’s euch sicher auch freuen zu hören, dass Daniel und ich uns jetzt fest vorgenommen haben, unseren Blog baldmöglichst wieder zu reaktivieren. In den nächsten 1-2 Wochen will ich ihn erstmal ein bisschen schöner gestalten und wir schreiben an Kurzprofilen zu den Republikanischen KandidatInnen für die Präsidentschaft. Da tut sich ja jetzt viel Spannendes.

Wir haben uns auch ein paar neue Sachen für den ‘Relaunch’ ausgedacht, u.a. ist eine Art Podcast angedacht, und wir wollen aktiv versuchen, interessante GastposterInnen zu rekrutieren, um hier auch eine größere Themen- und Meinungsvielfalt bieten zu können.

Wenn ihr Vorschläge habt, wie wir unseren Relaunch besser gestalten können, freuen wir uns auf Rückmeldung. In der Zwischenzeit haben wir auch eine Facebook bzw. eine Twitter-Seite, die sich über ein paar Follower freuen würden ;-)

Bis bald! – Thomas

Die magischen 60 Stimmen

Heute mache ich mal einen auf Bildblog, schließlich will ich euch mal zeigen, warum euch dieses Blog einen Mehrwert gegenüber traditioneller Berichterstattung liefern kann. Heutiges Beispiel: Al Frankens Wahlsieg per Gerichtsbeschluss. Grob gesehen ist die dpa-Meldung dazu (z.B. hier zu nachzulesen) faktisch korrekt. Bis auf diesen Absatz:

Eine demokratische Mehrheit von 60 Stimmen in dem 100-köpfigen Senat in Washington bedeutet, dass die Republikaner nicht mehr das Mittel des “Filibuster” anwenden können. Dabei werden Debatten endlos in die Länge gezogen und damit Abstimmungen über Gesetze verhindert. Mit den Stimmen von 60 Senatoren lässt sich der Schluss einer Debatte erzwingen.

Diese Behauptung, die in mindestens 50 Zeitungen und Online-Plattformen wiederholt wurde, ist rein theoretisch nicht (komplett) falsch: die 58 demokratischen SenatorInnen und die mit ihnen stimmenden unabhängigen Senatoren Sanders (I-VT) und Lieberman (I-CT), die die Partei jeweils links und rechts umklammern, bilden nun eine 60-Sitze Mehreit.

Praktisch gesehen ist das aber aus mehrerlei Gründen eine recht unsinnige Vereinfachung:

  • Wie schon zuvor berichtet, herrscht je nach Debattenthema ein anderes Mehrheitsverhältnis im Senat. Das heißt, es gibt durchaus Themen, bei denen einige der moderateren RepublikanerInnen, wie Snowe (R-ME) oder Collins (auch R-ME) auf Seiten der Demokraten abstimmen. Dies ist so z.B. schon bei der Senatsdebatte/ -abstimmung über Obamas Wirtschaftsförderungsprogramm geschehen. Andererseits gibt es Politikfelder, bei denen die z.B. sog. Blue Dog Coalition, eine Gruppierung konservativer DemokratInnen gegen die Parteilinie stimmen könnte. [NB: Anders als bei ihrer Ernennung noch weitläufig vermutet, gehört Kirsten Gillibrand (D-NY) nicht dazu. Seit ihrem Eintritt in den Senat orientiert sie sich, wie ihre Amtsvorgängerin Hillary Clinton, an den linken Parteiflügel der Demokraten.]Es gibt, wie überall, eben Abweichler. Gerade der US-Senat verleitet aber dazu, vor allem wegen der unabhängigen Rolle der SenatorInnen, die sich nur im sechs-Jahreszyklus einer Wiederwahl stellen müssen und dabei selten abgewählt werden. Auch die durch seine Zusammensetzung bedingte starke Vertretung verschiedener, im Repräsentantenhaus schwächer besetzter Regionen der USA erhöht die Wahrscheinlichkeit gegen die Parteilinie zu stimmen. Und es gibt einfach weniger Senatoren: Die potentielle Rolle als Zünglein an der Waage bei einer Cloture-Abstimmung ist also ein starker Motivator, um Gegenleistungen (z.B. eigene Zusatzklauseln, um Projekte im eigenen Staat fördern) für die eigene Unterstützung zu verlangen. Schaut euch hierzu auch mal diesen interessanten Vergleich der Parteidisziplin im Senat gegenüber dem europäischen Parlament an.
  • Wie aber auch gestern schon berichtet, fehlen auf demokratischer Seite wegen andauernder Krankheit noch zwei Senatoren auf demokratischer Seite. Das heißt, für die absehbare Zeit ist diese 60-Sitze Mehrheit praktisch überhaupt nicht realisiert. Nur bei absoluten Kernpunkten der demokratischen Agenda wäre es eventuell möglich, den an Hirnkrebs leidenden Teddy Kennedy (D-MA) und den altersschwachen Robert C. Byrd (D-WV) zu einer Abstimmung nach Washington zu karren. Im Alltagsgeschäft sind die Demokraten aber auf republikanische Überläufer angewiesen, wenn sie Filibuster stoppen wollen.

Es sei an dieser Stelle aber noch Lob an die Basler Zeitung (BaZ) ausgesprochen – zwar wurde auch hier die inhaltlich unsaubere dpa-Meldung übernommen, aber zumindest gab es heute einen Artikel, in dem obige Punkte noch mal klarifiziert wurden. [UPDATE:] Auch die Frankfurter Rundschau scheint in dieser Frage am Ball zu sein.

Coleman gibt endlich endlich endlich auf

Die viel zu lange währende juristische Schlacht zwischen Al Franken (D) und Norm Coleman (R) um den zweiten Senatsitz in Minnesota, über die wir schon mehrfach berichteten, ist nun endlich nach knapp acht Monaten beendet. Heute lehnte der Supreme Court des Staates in einer 32seitigen Urteilsverkündung (PDF) einstimmig Colemans Rechtsbeschwerde ab. Coleman hat dann auch zwei Stunden darauf, entgegen einiger Spekulationen, dass er die Sache noch weter hinziehen wolle, aufgegeben und Franken zum Sieg gratuliert (PDF).

Governeur Pawlenty (R), der bislang auf das Ergebnis gewartet hatte, um Frankens Wahl zu bestätigen, hat nun keinen Grund mehr, die Sache noch länger zu verzögern und wird wohl heute noch das Wahlzertifikat unterschreiben. Damit kann Franken, der einstige Saturday Night Live Comedian, wahrscheinlich schon nächste Woche in den Senat einziehen.

Al Franken

Der frischgebackene Senator Al Franken

Damit haben die Demokraten, dank des Parteiübertritts Arlen Specters (D-PA), nun die magische Zahl von 60 Senatoren erreicht, was Ihnen in den kommenden Senatsdebatten um das neue Klimagesetz, welches es nur knapp aus dem Repräsentantenhaus schaffte, die anstehende Gesundheitsreform und die Bestätigung von Sonia Sotomayor, die von Obama für den Supreme Court vorgeschlagen wurde, äußerst behilflich sein wird. Besonders weil den Senatdemokraten aufgrund der andauernden Erkrankungen von Ted Kennedy (D-MA) und Robert C. Byrd (D-WV) zurzeit zwei wichtige Stimmen fehlen.

(Bildquelle)

Gesine Schwan siegt!

…zumindest wenn in Deutschland das amerikanische Wahlsystem verwendet würde. Dann nämlich hätte Gesine Schwan eine satte Mehrheit der Stimmen bekommen und hätte Horst Köhler auf einem abgeschlagenen zweiten Platz hinter sich gelassen.

Da ich immer noch auf US Wahl-Entzug bin, habe ich mal dieses nette “was-wäre-wenn”-Szenario durchgerechnet. Als Datenbasis habe ich die Ergebnisse der letzten deutschen Bundestagswahl 2005 gewählt, weil das das letzte Mal war, an dem in allen Bundesländern am gleichen Tag abgestimmt wurde.

Ihr erinnert euch bestimmt noch, wie die US Wahl läuft: 538 Wählmänner und -frauen werden entsprechend der jeweiligen Bevölkerungszahl auf alle 50 Bundesstaaten aufgeteilt. Staaten mit größerer Bevölkerung haben also ein größeres Stimmvolumen, so hat z.B. ein großer Staat wie Kalifornien 55 Wahlmännerstimmen und ein bevölkerungsarmer Staat wie Vermont nur 3 Stimmen. Dabei werden die Stimmen nach dem Winner-Takes-All Prinzip vergeben, d.h. dass dem Sieger in eines Staat, auch mit relativer Mehrheit, alle Stimmen des Staates zugesprochen werden. Daraufhin treffen sich diese Wahlleute im electoral college, der Bundesversammlung gar nicht so unähnlich, um dann den Präsidenten oder (in diesem Fall) die Präsidentin zu wählen.

Anhand der Schätzungen des Bundeswahlleiters zu den Wahlberechtigten in jedem Bundesland habe ich den prozentuellen Anteil der wahlberechtigten Bevölkerung jedes Bundeslandes ermittelt und dementsprechend 538 Wahlmännerstimmen verteilt. Das sieht dann so aus:

Wahlberechtigte (in Mio) Bevölkerungs-anteil Wahlleute (gerundet)
Baden-Württemberg 7,7 12,40% 67
Bayern 9,3 14,98% 81
Berlin 2,5 4,03% 22
Brandenburg 2,1 3,38% 18
Bremen 0,5 0,81% 4
Hamburg 1,2 1,93% 10
Hessen 4,4 7,09% 38
Mecklenburg-Vorpommern 1,4 2,25% 12
Niedersachsen 6,1 9,82% 53
Nordrhein-Westfalen 13,5 21,74% 117
Rheinland-Pfalz 3 4,83% 26
Saarland 0,8 1,29% 7
Sachsen 3,5 5,64% 30
Sachsen-Anhalt 2 3,22% 17
Schleswig-Holstein 2,2 3,54% 19
Thüringen 1,9 3,06% 17

So, nun bleibt nur noch der Schritt, den Sieger jedes Bundeslandes zu ermitteln und die Stimmen dann dementsprechend zu verteilen.

Wahlleute Sieger
Baden-Württemberg 67 CDU
Bayern 81 CSU
Berlin 22 SPD
Brandenburg 18 SPD
Bremen 4 SPD
Hamburg 10 SPD
Hessen 38 SPD
Mecklenburg-Vorpommern 12 SPD
Niedersachsen 53 SPD
Nordrhein-Westfalen 117 SPD
Rheinland-Pfalz 26 CDU
Saarland 7 SPD
Sachsen 30 CDU
Sachsen-Anhalt 17 SPD
Schleswig-Holstein 19 SPD
Thüringen 17 SPD

Grafisch sieht das dann so aus:

Man sieht’s glaube ich schon, eine ganz klare Sache. Das amtliche Endergebnis hieße bei dieser Präsidentschaftswahl also:

Gesine Schwan 334
Horst Köhler 204

Eine ziemlich derbe Niederlage also für Köhler, wenngleich er sich nicht ganz so schlecht schlüge wie John McCain.

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Interview mit uns auf tapmag

tapmagAuf dem sehr lesenswerten Transatlantikblog tapmag ist heute ein Interview mit uns erschienen. Schaut mal rein!

Oliver Polak – dürfen Juden das?

Pappaufstaller von einem Schäferhund mit SS-Mütze und Davidstern Armes Comedy-Deutschland: Mario Barth kann mit seinem “haha – Männer machen das, Frauen machen’s anders”-Schund Stadien und nun auch Kinosäale füllen, während Mathias Richling sich mit aller Kraft bemüht, die deutsche Kabarettkultur auf 7 Tage, 7 Köpfe Niveau hinab zu zerren. Gibt es da überhaupt noch Hoffnung auf Besserung?

Doch doch, die gibt es. Ich hatte gestern Abend das große Vergnügen einer Lesung mit Stand-Up Einlagen von Oliver Polak beizuwohnen. Endlich jemand, der das personifiziert, was die amerikanische Comedylandschaft schon seit Jahrzehnten erfolgreich vorexerziert: der Wert von politisch inkorrektem Humor aus minoritärer Persektive.

Der Philosoph Gilles Deleuze charakterisiert in seinem Kafka-Buch die Wesensmerkmale minoritärer Texte wie folgt: sie nehmen die hegemoniale Sprache und rekontextualisieren sie; sie sind immer politisch; und damit immer zugleich kollektiv1.

Das gilt auch für das Feld der Komik – in den USA gibt es eine lange Tradition von minoritären Stand-Up Comedians, vor allem afro-amerikanischen von Richard Pryor bis Chris Rock, die in ihren Shows das Mehrheitsparadigma aufgreifen und gegen sich selbst wenden. Hierbei werden rassistische Tabus aufgenommen und gebrochen. Schon das Format ist dabei ein politisches: In den frühen Stand-Up-Shows um die Jahrhundertwende (19./20.) traten weiße Künstler als Minderheiten verkleidet auf und verbreiteten abscheuliche rassistische Stereotype. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass dieses Genre nun als Plattform für einige der schärfsten Rassismuskritiken dient.

Humor muss dahin gehen, wo es wehtut. Ich finde es unglaublich schade, dass in Deutschland Blödelklamauk so sehr an der Tagesordnung ist. Denn mit ihm wählt man den leichten Weg. Viele hiesige Comedy-Shows laden zum “Ablachen” ein, als ginge es dabei nur um die Entladung einer Zwerchfellspannung.

Der beste und tiefgründigste Humor ist aber der, bei dem das Lachen im Hals steckenbleibt. Polak plappert in seinen Shows nicht irgendwelchen Beziehungskitsch nach. Er verarbeitet vielmehr persönliche Tiefschläge und alltägliche, auch antisemitische Erniedrigungen. Das ist nicht bequem, insbesondere weil seine persönlichen Geschichten nahtlos in den größeren politischen Zusammenhang übergehen. Oder um den alten Slogan der Frauenrechtsbewegung aufzugreifen: Das Persönliche ist politisch.

Polak sagt, der jüdische Humor sei wie der englische, nur weniger böse aber dafür bitterer. In der Tat tun sich hier Parallelen auf – beide befassen sich z.B. mit dem Gefühl der eigenen Minderwertigkeit. Es ist das Gegenteil von Mario Barth: es wird zwar auf geteilte Erfahrung angespielt, aber nicht um einen “ja, ja-kenne ich auch”-Effekt zu erzielen. Es geht einem zu nah, greift in die persönliche Komfortzone ein. Das Lachen kommt nicht aus der Dose, er ist ein emotionales Ventil. Man lacht, um nicht weinen zu müssen.

Die Helden des jüdischen Humors sind also nicht die lächelnden Sunny-Boys, sondern ganz normale, verletzliche Personen in Form des fast schon clichéhaften Großstadtneurotikers, wie Woody Allens exzellenter Film Annie Hall zu deutsch heißt. Populäre jüdische Comedians wie Larry David oder Sarah Silvermann, und nun auch Oliver Polak führen diese Tradition fort. Dabei ist es kein Zufall, dass minoritäre Komik, auch in Sitcom-Form, fast immer autobiographische Züge trägt: als Beispiele seien Seinfeld, Curb Your Enthusiasm, The Sarah Silvermann Program oder Everybody Hates Chris zu nennen.

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Die Finanzkrise verstehen

Ich drücke mich schon eine Weile um Artikel zur Finanzkrise herum, denn – da bin ich ehrlich – als angehender Kulturwissenschaftler, der früher regelmäßig den Wirtschaftsteil der Zeitung mit kapitalismuskritischem Verve Richtung Mülleimer befördert hat, brauche ich auf jeden Fall ein bisschen Nachhilfe, um hinter die aktuellen Ereignisse zu steigen.

Da bin ich scheinbar nicht der Einzige. Die Krise wird aber, wie es scheint, leider in absehbarer Zeit nicht vorbeiziehen, daher finde ich es besonders wichtig die Mechamismen dahinter zu verstehen, um nicht in einfache Erklärungsmuster zu verfallen. Leute machen es sich zu einfach, wenn sie, wie viele Kongressdemokraten, die Schuld auf einige wenige Banker schieben, was stark an die ‘bad apples’ Erklärung des Abu Ghraib-Skandals durch Donald Rumsfeld erinnert. Noch weniger ist es angebracht, wie einige konservative Populisten, wen wundert’s, Minderheiten für die Krise verantwortlich zu machen. Und die antisemitischen Verschwörungstheorien, die im Netz gedeihen, sind eh das Allerletzte.

Ich bin auf dieses tolle Video gestoßen, das die Finanzkrise visualisiert. Das will ich euch natürlich nicht vorenthalten:

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Britisch-amerikanische Beziehungskrise?

Der Newsweek Journalist Stryker McGuire muss sich in der vergangen Woche ordentlich auf die eigene Schulter geklopft haben – vor nur wenigen Wochen veröffentlichte er einen Artikel, in dem er das Ende der “besonderen Beziehung” zwischen Großbritannien und den USA prophezeiht hat, und jetzt nach dem US-Besuch des britischen Premierministers Gordon Brown haben sich tatsächlich die ersten Risse in den transatlantischen Beziehungen aufgetan. Zumindest wenn man der britischen Presse glauben darf

Die zeigte sich nämlich geradezu hysterisch ob der Tatsache, dass die von Downing Street schon angekündigte gemeinsame Pressekonferenz von Obama und Brown dann doch nicht stattfinden sollte. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, hat Robert Gibbs in der Pressekonferenz das britisch-amerikanische Bündnis als “Partnerschaft” bezeichnet, statt, wie im britischen Sprachgebrauch üblich, als “Beziehung”.

Über Obamas Motive hier kann man nur spekulieren. Und die britische Presse tut bekanntlich nichts lieber als das. Besonders in den Blogs der halbseriösen rechts-konservativen Daily Telegraph scheint dieses Thema nach wie vor an der Tagesordnung zu sein. Da werden die bizarrsten Theorien in den Raum geworfen, zum Beispiel, dass Michelle Obamas Hass auf die weißen Briten schuld sei (natürlich völlig ohne Belege). Das Weiße Haus selbst gibt an, dass Obama müde gewesen sei, was als Grund jetzt auch nicht wirklich sehr überzeugend ist. (weiterlesen…)

Genderneutralität auf amerikanisch

Heute ist Weltfrauentag – und daher nehmen wir ihn als Anlass nach dem Vorbild der taz zu einer Themenreihe über genderpolitische Fragen. Also wenn ihr dazu einen Beitrag habt – und das gilt in diesem Fall natürlich insbesondere für unsere Leserinnen (kleines i) – dann her damit!

Also mal als Einstieg ein kleiner political correctness Knigge für den amerikanischen Gebrauch: wie ihr sicher schon festgestellt habt, bemühe ich mich im Blog darum, mittels des sogenannten Binnen-Is möglichst inklusiv in meiner Sprachverwendung zu sein. Wenn man z.B. auf deutsch von Politikern redet, muss man sich klar machen, dass dadurch Politikerinnen ausgeschlossen werden. Daher sollte diese Form eigentlich nur verwendet werden, wenn es sich tatsächlich um eine Gruppe männlicher Politiker handelt.

Ich garantiere jetzt keine 100%-ige Konsequenz in der Anwendung – und es gibt Formen bei denen es schlichtweg falsch wäre, z.B. ist Demokraten die Übersetzung der gängigen englischen Parteibezeichnung ‘Democrats’. Wenn also von der Partei die Rede ist, heißt es also konsequenterweise ‘Demokraten’; wenn es aber um die Mitglieder geht, ‘DemokratInnen’ (lies: Demokratinnen und Demokraten).

Das Beispiel ist übrigens spannend, weil die demokratische Partei im politischen Diskurs oft als weiblich dargestellt wird, teilweise weil ihre Wählerbasis überwiegend weiblich ist, teilweise weil RepublikanerInnen (you see?) sie als schwach und verweichlicht schmähen wollen, im Gegensatz zum sicheren und handlungsstarken republikanischen Männerideal, wie er insbesondere durch Ronald Reagan verkörpert wurde. In ähnlicher Weise feminisiert Robert Kagan auch Europa, wenn er in Anlehnung an die populäre Geschlechterverhältnisliteratur behauptet: “Americans are from Mars and Europeans are from Venus: They agree on little and understand one another less and less.”

Jedenfalls, in Deutschland geht also die Tendenz eher hin zur sprachlichen Ausdifferenzierung der Geschlechterbezeichnungen, was zu großen Teilen daran liegt, dass es im Deutschen eine Korrespondenz zwischen grammatischem Genus (der, die, das) und Geschlecht gibt – gerade bei Personenbezeichnungen. Im Englishen ist die Tendenz genau umgekehrt. (weiterlesen…)

Wieder am Start

So Leute, ich weiß, wir haben erst mal eine längere Blogpause eingeschoben. Also wollte ich nur schon mal verkünden – wir sind wieder zurück mit neuem Elan und widmen uns ab sofort wieder dem Blog. Es sind auch schon einige neue Features in Planung, und wir sind uns eigentlich recht sicher, dass ihr da Gefallen dran finden werdet.

Die erste Änderung ist, dass ich hieraus einen Real-Name-Blog machen will – schließlich sollt ihr ja auch wissen, wessen Geschreibsel ihr hier lest. Also, mein Name ist Thomas Furlong und ich bin Amerikanist in spe. Ich studiere noch in Köln, aber bin jetzt für eine Weile nach Berlin gezogen und jobbe dort in einer Internet Marketing Agentur. Ursprünglich komme ich aus Brighton im Süden Englands, lebe in Deutschland schon seit meiner Kindheit und habe vor ein paar Jahren auch eine Zeitlang in den USA (Rochester, NY) gewohnt.

Ich blogge über die USA, weil mich das Land trotz oder gerade wegen der vielen Widersprüche immer fasziniert hat. Und weil ich zum Verständnis der komplexen Kultur dieses Landes beitragen will. Mir geht nämlich der plumpe Anti-Amerikanismus von Bush-Bashern nämlich genauso auf die Nerven wie die oft weitgehend unüberlegte Obamanie, die jetzt scheinbar vorherrscht. Die USA, wie fast alles, sind nämlich fundamental simplex – simple Angelegenheiten sind immer komplexer als sie scheinen und Komplexes ist wiederum immer einfacher. Klingt weird, aber es ist normalerweise immer eine Sache von Betrachtungsebenen.

Ich bin daher ehrlich gesagt ganz froh, nicht direkt am Anfang der Obama Präsidentschaft drauflosgebloggt zu haben, denn ganz ehrlich, nach so einem Einschnitt ist es auch wichtig, ein Gefühl für die neue Situation zu gewinnen. Die deutsche und die amerikanische Mediasphäre taumeln auch immer noch etwas hin und her und haben noch keine klare Position zu den neuen Verhältnissen gefunden.

Aber so langsam werden Linien und Strukturen erkennbar, einiges hat sich drastisch geändert, bei anderen Sachen ist der seismische Schock dann doch wieder ausgeblieben. Wir werden sehen, was die Zeit bringt – aber auf jeden Fall könnt ihr wieder auf USA Blogger nah am Geschehen dran bleiben. Wir freuen uns über alle, die dabei geblieben sind, und freuen uns natürlich genauso über alle neue Leser und Leserinnen, die dazu kommen wollen.

Und wenn ihr hier auh mitmachen wollt, oder auch einfach nur mal einen Beitrag bei uns posten wollt, dann mailt mich doch einfach an unter: thomas [at] usa – blogger.de (natürlich umformatieren, ich hab halt keinen Bock durch Massen von Spam zu wühlen…) – Thomas