Adolf Hitler Campbell ohne Geburtstagskuchen

Dem armen 3-jährigen Adolf Hitler Campbell aus New Jersey wurde der Geburtstag am Sonntag nun ordentlich vermiest. Die Kette ShopRite in Greenwich hat ihm nämlich eine mit seinem Namen beschriftete Geburtstagstorte verweigert. Die Eltern verstehen die Welt nicht mehr, schließlich haben sie ja auch nicht, wie in früheren Jahren, auf ein Hakenkreuz bestanden! Ob jetzt auch seine beiden Schwestern, JoyceLynn Aryan Nation Campbell (1) und Honszlynn Hinler Jeannie Campbell (8 Monate), deren Geburtstage bald anstehen, ähnlich diskriminiert werden?

Wer sich jetzt fragt, warum das so ein Skandal ist, muss wohl zu den 25% Prozent gehören, denen der Name Adolf Hitler nichts sagt.

Ich weiß bei solchen Geschichten selbst nie, ob ich erschrocken oder belustigt sein soll. Das hat aber stark mit den paralellen Rezeptionen der Person Hitler im amerikanischen Kontext zu tun. Auf der einen Seite wird Hitler in der Populärkultur derart häufig referiert und in der Diskussionskultur missbraucht, dass seine Aura dort in einer Weise gebrochen ist, wie das hierzulande undenkbar wäre.

Sogar im aktuellen Wahlkampf wurden Hitlervergleiche wieder en masse bemüht. Was Komiker Stephen Colbert noch im Vorwahlkampf als krasse Überspitzung der guilt by association Vorwürfe durch Hillary Clinton präsentierte, wurde nach der Wahl tatsächlich von dem Kongressabgeordneten Paul Broun (R) aus Georgia behauptet – dass Obama mit Hitler zu vergleichen sei:


Auf der anderen Seite ist es aufgrund der sehr weiten Auffassung von Redefreiheit, die durch den ersten Verfassungszusatz garantiert wird, möglich, offen nationalsozialistische und rassistische Vereinigungen zu gründen. Natürlich hat das andererseits den Vorteil, das es viel leichter ist, die Kultur der White Supremacy (“Weiße Oberherrschaft”) im Auge zu behalten, wie das seit Jahren großartig durch den Southern Poverty Law Center geschieht.

Jetzt fragt ihr euch aber auch sicher, wie es denn möglich sein kann, dass man die Kinder so nennt. Nun, in angelsächsischen Ländern, die in der Rechtstradition des Common Law stehen, herrscht generell ein sehr liberales Namensrecht. Grundsätzlich ist es jedem erlaubt, ein Kind nach eigenem Gusto zu benennen, auch wenn in Einzelfällen ein Gericht intervenieren kann. In Neuseeland gab es zum Beispiel vor kurzem einen Fall, bei dem die Eltern ihr Kind Tula Does the Hula From Hawaii genannt hatten, aber ein Richter eine Änderung anordnete. Namensänderungen sind übrigens ohne Weiteres möglich (wie in diesen Fällen) – in der Tat habe ich meinen eigenen Namen vor zwei Jahren mit einem simplen, in Word geschriebenen Dokument geändert.

Großbritannien schließt zumindest Schimpfwörter als Namen aus, während selbst das in den USA möglich ist. Leider finde ich gerade keine Referenz (ist schon ca. ein Jahrzehnt her), aber ich erinnere mich gut, dass Winona Rider in einer Late Night Show erzählt hat, dass einer ihrer Jugendfreunde mit Vornamen “Bastard” hieß. Und da rassistischer Unsinn in den USA nicht grundsätzlich illegal ist, war es auch diesen beiden Eltern, die natürlich stereotyperweise auch deutschstämmig sind vorgeben deutschstämmig zu sein und einen white supremacist Background haben, möglich ihren Sohn nach Adolf Hitler zu benennen.

Dieser Fall hat übrigens den Nebeneffekt, dass sich einige amerikanische Zeitungen für das deutsche Namensrecht interessieren.

Walmart, dessen Ruf auch mal besser war, ist die ganze Sache natürlich alles Schnuppe. Sie haben den Kuchen wie gewünscht geschmückt, also konnte die Party am Wochenende ja doch noch steigen… wünschen wir dem durch diesen Namen gestrafte Kind alles Gute, schließlich kann es ja nichts dafür. So schlecht sieht es für seine Zukunft ja auch nicht aus – immerhin erlauben seine Eltern ihm ja, sich mit Schwarzen anzufreunden!

2 Kommentare zu “Adolf Hitler Campbell ohne Geburtstagskuchen”

  1. #1 Calamitas
    am 15. Jan 2009 um 21:25

    “…diesen beiden Eltern, die natürlich stereotyperweise auch deutschstämmig sind…”

    Campbell ist ein deutscher Name?

  2. #2 Thomas Furlong
    am 21. Jan 2009 um 20:16

    Gut aufgepasst! Der Nachname ist ja nicht unbedingt aussagekräftig, wenn es um die Vorfahren geht (könnte ja mütterlicherseits sein oder bei der Einwanderung/Einbürgerung geändert), aber in diesem Fall waren deine Zweifel voll berechtigt: Adolfs Vater, Heath Campbell, hatte anfangs behauptet, deutschstämmig zu sein, aber dieser Geschichte wurde mittlerweile von verschiedenen Verwandten widersprochen.

    Inzwischen wurden der kleine Adolf und seine Geschwister den Eltern weggenommen und in staatliche Obhut gegeben. Das entsprechende Gerichtsverfahren ist anhängig. Diese Geschichte verschwindet also scheinbar nicht so schnell wieder aus den Medien…

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