Genderneutralität auf amerikanisch

Heute ist Weltfrauentag – und daher nehmen wir ihn als Anlass nach dem Vorbild der taz zu einer Themenreihe über genderpolitische Fragen. Also wenn ihr dazu einen Beitrag habt – und das gilt in diesem Fall natürlich insbesondere für unsere Leserinnen (kleines i) – dann her damit!

Also mal als Einstieg ein kleiner political correctness Knigge für den amerikanischen Gebrauch: wie ihr sicher schon festgestellt habt, bemühe ich mich im Blog darum, mittels des sogenannten Binnen-Is möglichst inklusiv in meiner Sprachverwendung zu sein. Wenn man z.B. auf deutsch von Politikern redet, muss man sich klar machen, dass dadurch Politikerinnen ausgeschlossen werden. Daher sollte diese Form eigentlich nur verwendet werden, wenn es sich tatsächlich um eine Gruppe männlicher Politiker handelt.

Ich garantiere jetzt keine 100%-ige Konsequenz in der Anwendung – und es gibt Formen bei denen es schlichtweg falsch wäre, z.B. ist Demokraten die Übersetzung der gängigen englischen Parteibezeichnung ‘Democrats’. Wenn also von der Partei die Rede ist, heißt es also konsequenterweise ‘Demokraten’; wenn es aber um die Mitglieder geht, ‘DemokratInnen’ (lies: Demokratinnen und Demokraten).

Das Beispiel ist übrigens spannend, weil die demokratische Partei im politischen Diskurs oft als weiblich dargestellt wird, teilweise weil ihre Wählerbasis überwiegend weiblich ist, teilweise weil RepublikanerInnen (you see?) sie als schwach und verweichlicht schmähen wollen, im Gegensatz zum sicheren und handlungsstarken republikanischen Männerideal, wie er insbesondere durch Ronald Reagan verkörpert wurde. In ähnlicher Weise feminisiert Robert Kagan auch Europa, wenn er in Anlehnung an die populäre Geschlechterverhältnisliteratur behauptet: “Americans are from Mars and Europeans are from Venus: They agree on little and understand one another less and less.”

Jedenfalls, in Deutschland geht also die Tendenz eher hin zur sprachlichen Ausdifferenzierung der Geschlechterbezeichnungen, was zu großen Teilen daran liegt, dass es im Deutschen eine Korrespondenz zwischen grammatischem Genus (der, die, das) und Geschlecht gibt – gerade bei Personenbezeichnungen. Im Englishen ist die Tendenz genau umgekehrt.

War zum Beispiel früher von der ‘stewardess’ die Rede, wählt man heute den neutralen Begriff ‘flight attendent’. Genauso wird die Bezeichnung ‘policeman’ bzw. ‘policewoman’ heutzutage generell vermieden. Stattdessen sagt man ‘police officer’. Dazu finden sich viele weitere Beispiele.

Einige sind heutzutage einfach die gängige Verwendungsweise, andere wiederum noch umstritten. So ging zum Beispiel zuletzt noch der Oscar für ‘Best Actress’ an Kate Winslet (ironischerweise für eine Nazi-Rolle); die Screen Actors Guild verlieh hingegen Meryl Streep den Preis für ihre ‘Outstanding Performance for a Female Actor in a Leading Role‘.

Auch im neuen Kongress ist diese Entwicklung nun endlich angekommen: seit Anfang diesen Jahres wurde die offizielle Sprachregelung dahingehend geändert, dass jetzt konsequent die geschlechtsneutrale Form gewählt wird. Also anstatt ‘Chairman’ (Vorsitzender) heißt es ab sofort offiziell ‘Chair’ (VorsitzendeR).

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