Medien der USA

“Wo wurde Barack Obama geboren?”

So lautete eine Frage beim Geographiequiz von “Schlag den Raab”, was vorhin bei mir im Hintergrund lief. Der Kandidat, Markus, hat den Geburtsort des kommenden Präsidenten irgendwo in die Südstaaten verfrachtet (ungefähr bei Louisiana), während Stefan, auch wenn er es nicht genau wusste, recht nah an der richtigen Antwort, Honolulu im Bundesstaat Hawaii, dran war.

Ich erwähne das hier, weil Obamas Geburtsort während des Wahlkampfes ein heiß umstrittenes Thema war, besonders in der Anti-Obama-Rechten. Es gab ja bekanntlich eine recht weitläufige Flüsterkampagne, die Obama als unamerikanisch und alien darstellen wollte. Schon 2004 begann eine E-Mail Kampagne, die dann mit der Präsidentschaftskandidatur richtig losbrach, in der Obama als “secret Muslim” dargestellt wurde, der Teil eines Planes sei, die USA von innen zu zerstören (einige Bespiele).

Das spielte auch im Vorwahlkampf schon früh eine Rolle, als Hillary Clintons Berater Mark Penn in einem internen Memo vorschlug, Obamas “Mangel an amerikanischen Wurzeln” zum Wahlkampfthema zu machen. Im weiteren Verlauf des Wahlkampfs, besonders als Clinton immer weiter ins Hintertreffen geriet, kamen immer mehr Attacken dieser Art ins Spiel. Zum Beispiel beschwerte sich die Obama-Kampagne, dass dieses Foto von Obama in muslimisch wirkender Kleidung angeblich durch die Clinton-Kampagne in die Presse gehievt wurde. (weiterlesen…)

uswahl2008 offiziell beendet!!

Nein, nicht die US Wahl. Die ist nämlich noch in vollem Gange

Die Rede ist natürlich von uswahl2008.de, dem Wahlblog des Handelblatt-Redakteurs und -bloggers Georg Watzlawek. Heute hat er das Ende seines Blogs verkündet, was eigentlich recht schade ist, weil das einer der wenigen guten deutschsprachigen US-Blogs war. Aber das Ende war wohl letztendlich aufgrund des teleologischen Blog-Titels unvermeidlich. (weiterlesen…)

Der transatlantische US-Wahlkampf

Als ich einem Freund von mir vor ein paar Wochen erzählte, dass wir einen USA Blog starten wollten, antwortete er etwas ungläubig, dass wir beide, Daniel und ich, doch zur Zeit in Europa sind. Dass ich das schon überhaupt nicht als Einstiegsbarriere wahrgenommen habe, zeigt eigentlich wie stark die Welt in den letzten Jahren informationstechnisch zusammengewachsen ist. Thomas Friedman’s Rhetorik von der sich verflachenden Erde mag ja immer etwas erheiternd anmuten, aber sie trifft die Sache im Kern.

2004 zur Bush-Kerry Wahl wäre es viel schwieriger gewesen, so nah am Alltagsgeschehen der Kampagne dran zu bleiben wie es in diesem Jahr möglich war. Das liegt auch meines Ermessens eigentlich nur sekundär an Entwicklungen in Deutschland (wie die im Vergleich zu 2004 knapp 3x gesteigerten DSL-Verbreitung). Natürlich gab es in diesem Jahr anders als bei der vergangenen Wahl mit Barack Obama einen sympathischen und inspirierenden Kandidaten, der in diesem Jahr alle deutschen Politiker überstrahlt hat.

Es gab eine ganze Reihe von Umwälzungen in der Infrastruktur der amerikanischen Mediasphäre, die zu einer aktiveren Teihabe am politischen Geschehen geführt haben. Der entscheidende Faktor dabei war ganz klar die zunehmende Wichtigkeit des Internets als politisches Medium. Die Saat wurde eigentlich durch die hoffnungsvoll begonnene aber durch einen fabrizierten Skandal frühzeitig beendete Kampagne des Irakkrieggegners und derzeitigen DNC Vorsitzenden Howard Dean gesät.

Sein Kampagnenleiter Joe Trippi verstand es großartig, die damaligen Möglichkeiten des Internets zu nutzen. Zu der Zeit war es eine kleine Revolution, dass das Finanzierungsmodell seiner Kampagne hauptsächlich auf die Zuwendungen junger Wähler von unter $100 beruhte. Neue, enthusiastische Wähler wurden in die Kampagne integriert, z.B. durch das heute etwas aus der Mode gekommene Meetup.com. Die New York Times schrieb beinahe erstaunt ob dieser Entwicklung:

Successful Internet solicitation means more than just starting a Web page, as most politicians did years ago. Rather, it is a tactic intended to keep Internet supporters engaged.

Natürlich wurde das alles nach der Schrei-Affäre als Sturm im Wasserglas gewertet. (weiterlesen…)

Amy Goodman in Berlin

Heute war Amy Goodman, die bekannte amerikanische Grassroots-Journalistin und Gewinnerin des diesjährigen alternativen Nobelpreises, an der Humboldt-Universität in Berlin zu Gast, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte. Goodmans Fernseh- und Radiosendung Democracy Now! ist insofern einzigartig, als dass es komplett an großen Firmen vorbei läuft, indem es sich auf ein Netzwerk von lokalen Sendern, Satellitenfernsehen und -radio und dem Internet als Medium verlässt, aber trotzdem in den USA und inzwischen auch international eine enorme Reichweite hat. Dabei versteht sich Goodman als Chronistin der von den Mainstream-Medien vernachlässigten, also der Protestbewegungen und AktivistInnen in und außerhalb der USA.

Amy Goodman an der HU Berlin

Der Abend fing mit ein paar Unstimmigkeiten an: zuerst musste der Raum aufgrund des massiven Andrangs gewechselt werden. Dann wurde Frau Goodman mehrmals von einer nicht ganz geistesgewärtigen Störerin, die sie für Susan Sontag hielt, unterbrochen, die dann etwas unschön des Raumes verwiesen wurde. Aber dann entwickelte sich die Veranstaltung doch zu einer sehr lohnenswerten Sache. Es ist schon recht erstaunlich, dass eine so zierliche, etwas Hippie-haft wirkende Frau eine so toughe, kompromisslose Aura entwickeln kann. (weiterlesen…)