“Wo wurde Barack Obama geboren?”

So lautete eine Frage beim Geographiequiz von “Schlag den Raab”, was vorhin bei mir im Hintergrund lief. Der Kandidat, Markus, hat den Geburtsort des kommenden Präsidenten irgendwo in die Südstaaten verfrachtet (ungefähr bei Louisiana), während Stefan, auch wenn er es nicht genau wusste, recht nah an der richtigen Antwort, Honolulu im Bundesstaat Hawaii, dran war.

Ich erwähne das hier, weil Obamas Geburtsort während des Wahlkampfes ein heiß umstrittenes Thema war, besonders in der Anti-Obama-Rechten. Es gab ja bekanntlich eine recht weitläufige Flüsterkampagne, die Obama als unamerikanisch und alien darstellen wollte. Schon 2004 begann eine E-Mail Kampagne, die dann mit der Präsidentschaftskandidatur richtig losbrach, in der Obama als “secret Muslim” dargestellt wurde, der Teil eines Planes sei, die USA von innen zu zerstören (einige Bespiele).

Das spielte auch im Vorwahlkampf schon früh eine Rolle, als Hillary Clintons Berater Mark Penn in einem internen Memo vorschlug, Obamas “Mangel an amerikanischen Wurzeln” zum Wahlkampfthema zu machen. Im weiteren Verlauf des Wahlkampfs, besonders als Clinton immer weiter ins Hintertreffen geriet, kamen immer mehr Attacken dieser Art ins Spiel. Zum Beispiel beschwerte sich die Obama-Kampagne, dass dieses Foto von Obama in muslimisch wirkender Kleidung angeblich durch die Clinton-Kampagne in die Presse gehievt wurde.

Clinton lieferte den Republikanern damit eine Steilvorlage. Besonders nachdem der Karl Rove-Schützling Steve Schmidt die Zügel der McCain Kampagne übernahm bzw. als Sarah Palin zur Vizepräsidentschaftskandidatin der GOP gekürt wurde, wurden die Angriffe immer schmutziger. Dabei kam es zu einigen recht erschreckenden rassistischen Ausbrüchen bei einigen McCain und/oder Palin Rallys. Und laut ungenannten Secret Service-Quellen nahmen die Todesdrohungen gegen Obama in dieser Zeit massiv zu.

Diese Attacken durch die McCain-Kampagne waren besonders darauf gerichtet, sogenannte swing voters (WechselwählerInnen) zu verunsichern, wie z.B. ältere jüdische WählerInnen, die in Florida ein wichtiger Faktor sind. Für sie ist eine sehr positive Grundhaltung gegenüber Israel ein Kernkriterium für eine Unterstützung, und sie hatten zuvor auch überwiegend die Hillary Clinton unterstützt. Ähnlich war es bei blue collar voters (WählerInen der Arbeiterklasse) in einer Reihe von Staaten, inbesondere im für einen McCain-Sieg beinahe unerlässlichen Pennsylvania. Dieser Wählerblock ist bei ökonomischen Themen zwar eher auf der Linie der Demokraten, aber sozial oftmals recht konservativ im politischen Spektrum verortet. Unterschwelliger Rassismus ist dabei leider immer eine wichtige Komponente.

Eine weitere Komponente kam mit dem bizarren aber erfolgreichen Buch Obama Nation und dazu passenden wilden Theorien auf der “News”-Webseite World Net Daily durch den rechtspopulisten Jerome Corsi hinzu, der großen Anteil an den Charakterangriffen gegen Kerry 2004 hatte und zuallerallermindest lose Verbindungen zur amerikanischen Neo-Nazi-Szene hat. Er setzte das Gerücht in die Welt, dass Obama gar nicht auf Hawaii geboren sei.

Immer wieder wurde z.B. behauptet, dass Obama keine Geburtsurkunde produzieren könne, obwohl die Kampagne sie auf der Website Fight the Smears veröffentlicht hat. Das gipfelte darin, dass der bekannte Radio”journalist” Rush Limbaugh bei Obamas Hawaii-Reise kurz vor der Wahl im Radio sagte, dies sei nur ein Vorwand, um in Hawaii seine Geburtsurkunde zu fälschen.

Da laut amerikanischer Verfassung der Präsident in den USA geboren sein muss, hat sogar ein Mann aus New Jersey versucht, Obamas Staatsbürgerschaft vor dem Supreme Court der Vereinigten Staaten verhandeln zu lassen. Natürlich (!) wurde dieser Fall, der nach der Wahl hätte verhandelt werden sollen, von den Justices nicht zugelassen.

Also, Herr Raab, das nächste Mal wissen Sie hoffentlich besser Bescheid ;-) – trotzdem Glückwunsch zum (erneuten) Sieg!

1 Kommentar zu ““Wo wurde Barack Obama geboren?””

  1. #1 Thomas Furlong
    am 21. Dez 2008 um 15:26

    Der Mist wird auch noch eine ganze Zeit lang weitergehen wie ich sehe: Bill Cunningham, ein konservativer Radio-Journalist, hat jetzt schon wieder auf dem Murdoch-Sender Fox News den Mythos verbreitet, Obama sei einmal muslimischen Glaubens gewesen. Natürlich muss man Gnr. Powell vollkommen rechtgeben, wenn er sagt, dass man aufhören müsse, das als Problem darzustellen. Aber solche Stories sind leider immer noch red meat für die amerikanische Christliche Rechte.

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