Endlich heißt es ‘Präsident Obama’

Seit gestern ist es endlich auch offiziell: Barack Hussein Obama ist nun der 44. Präsident der Vereinigten Staaten!

Das Kapitol am Vorabend der Inauguration

Das Kapitol am Vorabend der Inauguration - Foto von Burnt Pixel @Flickr

Ich bin recht sicher, dass ihr alle live am Fernseher mit dabei wart, also spare ich mir mal eine Zusammenfassung der Ereignisse. Einige Anmerkungen müssen aber sein:

  • Die Diskussionen gehen natürlich los, ob Obamas Rede in die Geschichte als eine der großen Amtseinführungsreden eingehen wird. Der Konsens hier geht aber eher Richtung nein. Verschiedene Kommentatoren suchen natürlich auch Spuren von Reden vergangener Präsidenten in Obamas Ansprache. So kam ein sehr beeindruckender Teil der Rede aus einer Rede George Washingtons – und es sind auch Parallelen zu Franklin Roosevelts erster Inaugural Address zu erkennen.
  • Beim Amtseid gab es einige kleine Unstimmigkeiten. Zuerst fiel Obama Chief erzkonservativen Justice Roberts, gegen dessen Nominierung er als Senator noch stimmte, ins Wort, als er zu früh mit dem Nachsprechen begann des Eides begann. Sekunden später konnte er sich genüsslich revanchieren: der Oberste Bundesrichter zitierte den Eid falsch aus der Verfassung, und Obama sprach folglich nicht weiter, bis er sich korrigiert hatte.
  • Progressive hatten ein besonders strenges Auge auf die invocation des evangelikalen Pastors Rick Warren gerichtet, der aufgrund seiner homophoben Ansichten in die Kritik geraten war. Obwohl seine Rede als verhältnismäßig moderat gesehen wurde, hagelte es Vorwürfe, dass eine Rede des offen schwulen Bischofs Gene Robinson am Vortag im Fernsehen nicht gezeigt wurde – laut HBO auf Anweisung des Obama-Teams.
  • Die implizit hervorgebrachte Kritik Obamas an seinem Amtsvorgänger war bei aller vorher demonstrierten Herzlichkeit viel harscher als es eigentlich bei derartigen Reden normal ist. Die Zeichen stehen also eindeutig auf Neuanfang.

In den letzten Wochen erschien Bush ohnehin schon derart machtlos, dass in den Medien weithin von einer Kopräsidentschaft gesprochen wurde, jedoch hatte Obama bis gestern natürlich formal gesehen keine Macht. Der scheidende Präsident, inzwischen politisch fast völlig marginalisiert, gesteht in seinen äußerst zahlreichen Abschlussinterviews und seiner letzten Pressekonferenz Fehler ein, jedoch zeigt die Natur der Antworten, dass er sich eher um die Vermarktung seiner Präsidentschaft Gedanken machte, als um die tatsächliche Substanz der Entscheidungen. Am Irakkrieg bedaure er z.B. seine “Mission Accomplished” Flugzeugträgerposse und das Fehlen der WMDs, und an der Reaktion auf Hurrikan Katrina in New Orleans war seine wichtigste Abwägung, ob ein Photo Op vor Ort (à la Elbflutkönig Schröder) nicht doch eine gute Idee gewesen wäre. Einsicht sieht anders aus.

Und so berichtet Maureen Dowd wie das Publikum bei der Inauguration kollektiv den Hubschrauber von Bush hinterhersah, als ob alle sichergehen wollten, dass der Albtraum auch wirklich vorbei ist.

1 Kommentar zu “Endlich heißt es ‘Präsident Obama’”

  1. #1 John
    am 11. Jul 2011 um 12:48

    Jetzt ist ja schon einige Zeit vergangen, aber ich bin der Meinung das Obama seinen Job bis jetzt im Grunde doch sehr gut macht. Trotz der Kritik die hin und wieder mal verübt wurde, aber man kann es ja nicht jedem recht machen. Grüße John.

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