Schuh-Attentat auf George W. Bush

Noch-Präsident George W. Bush ist heute um ein Haar einem Attentat entkommen – mit einem Schuh!

Was bisher nur ein mittelmäßiger Gag aus Austin Powers war, ist heute Wirklichkeit geworden: ein irakischer Journalist, Muntadhar al-Zaidi, der laut CNN für den in Ägypten angesiedelten Sender al-Baghdadia arbeitet, hat während einer gemeinsamen Pressekonferenz von Bush und dem irakischen Premier al-Maliki mit beiden Schuhen nach dem amerikanischen Präsidenten geworfen, der ihnen nur knapp ausgewichen ist.

Wie Karim El-Gawhary in der taz berichtet, ist ein solcher Schuhwurf im arabischen Kulturraum eine schlimme Beleidigung, wie übrigens auch das Epithet in dem den Schuhwurf begleitenden Ausruf, “Das ist ein Abschied… du Hund!” Bush jedenfalls nahm die Sache mit seiner Art von Humor, und bemerkte, dass es sich ein Schuh der Größe 10 handelte (bzw. für Detailverliebte, Größe 44). Weiterhin sagte er:

Let me talk about the guy throwing his shoe. It’s one way to gain attention. It’s like going to a political rally and having people yell at you. It’s like driving down the street and having people not gesturing with all five fingers.

Finde ich eigentlich recht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass eine der Grundzüge der Bush-Regierung war, dass sie sich abgeschottet und vor der Öffentlichkeit verborgen hat. Vielleicht rührt meine leichte Schadenfreude auch daher, dass Bush für seine Politik so selten Feedback bekommt, weil er sich stets vor vorselektiertem Publikum präsentiert, und direkte Kritik nicht gewohnt ist (mit einer großartigen Ausnahme).

Das ist übrigens nicht das erste Mal in der Geschichte, dass Schuhe zu einem Politikum werden. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow war 1960 in einer Sitzung der UN-Generalversammlung so verärgert über die Aussage des philippinischen Vertreters Lorenzo Sumulong, der ein Recht auf Unbhängigkeit auch für Länder im sowjetischen Einflussgebiet einforderte, dass er mit seinem Schuh auf sein Delegiertenpult schlug. Das Ereignis war so emblematisch, dass alle skandalöse Vorgänge in der UN (wie z.B. Chávez “Teufel-Rede”) nunmehr damit kontrastiert werden.

Die Symbolik dieses Angriffes steht dem in jedem Fall in nichts nach. Bushs Überraschungsbesuch in Bagdad hatte eigentlich ein Abkommen über einen Truppenrückzug als Grund. Die liberale Huffington Post bezeichnete den Besuch dann auch als “a victory lap without a clear victory”. Dieser Coup-de-Schuh bricht die schöne “heile Welt”-Atmosphäre, die Bush und al-Maliki schaffen wollten, und errinnert daran, wie kontrovers dieser Krieg eigentlich ist.

1 Kommentar zu “Schuh-Attentat auf George W. Bush”

  1. #1 bobby 33000
    am 24. Dez 2008 um 00:36

    geile recherche zu der action, gefällt mir.. :)

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