Der Vorwahlkampf der Republikaner beginnt eigentlich traditionell im Februar mit Abstimmungen in den Staaten Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina (auch wenn sich der Kalender in diesem Wahlkampf wohl noch nach vorne verschieben wird). Durch die Opposition zu Barack Obama scheint der Wahlkampf aber in diesem Jahr extrem aufgeheizt und ist bereits in vollem Gange.
Die Abstimmungen die schon stattgefunden haben und bis zum Februar noch stattfinden sind sogenannte Straw Polls, Abstimmungen deren Aussagekraft wegen der kleinen Anzahl an Wählern und der oft undurchsichtigen Organisation ( in der bekannten Straw Poll in Ames, Iowa mussten die Kandidaten beispielsweise die Tickets für die Besucher spendieren, was natürlich bedeutet, dass Kandidaten die für diese Abstimmung weniger Geld in die Hand nahmen meist unterrepräsentiert waren) schwierig einzuschätzen ist.
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23. Mai 2009
von
Thomas Furlong -
…zumindest wenn in Deutschland das amerikanische Wahlsystem verwendet würde. Dann nämlich hätte Gesine Schwan eine satte Mehrheit der Stimmen bekommen und hätte Horst Köhler auf einem abgeschlagenen zweiten Platz hinter sich gelassen.
Da ich immer noch auf US Wahl-Entzug bin, habe ich mal dieses nette “was-wäre-wenn”-Szenario durchgerechnet. Als Datenbasis habe ich die Ergebnisse der letzten deutschen Bundestagswahl 2005 gewählt, weil das das letzte Mal war, an dem in allen Bundesländern am gleichen Tag abgestimmt wurde.
Ihr erinnert euch bestimmt noch, wie die US Wahl läuft: 538 Wählmänner und -frauen werden entsprechend der jeweiligen Bevölkerungszahl auf alle 50 Bundesstaaten aufgeteilt. Staaten mit größerer Bevölkerung haben also ein größeres Stimmvolumen, so hat z.B. ein großer Staat wie Kalifornien 55 Wahlmännerstimmen und ein bevölkerungsarmer Staat wie Vermont nur 3 Stimmen. Dabei werden die Stimmen nach dem Winner-Takes-All Prinzip vergeben, d.h. dass dem Sieger in eines Staat, auch mit relativer Mehrheit, alle Stimmen des Staates zugesprochen werden. Daraufhin treffen sich diese Wahlleute im electoral college, der Bundesversammlung gar nicht so unähnlich, um dann den Präsidenten oder (in diesem Fall) die Präsidentin zu wählen.
Anhand der Schätzungen des Bundeswahlleiters zu den Wahlberechtigten in jedem Bundesland habe ich den prozentuellen Anteil der wahlberechtigten Bevölkerung jedes Bundeslandes ermittelt und dementsprechend 538 Wahlmännerstimmen verteilt. Das sieht dann so aus:
|
Wahlberechtigte (in Mio) |
Bevölkerungs-anteil |
Wahlleute (gerundet) |
| Baden-Württemberg |
7,7 |
12,40% |
67 |
| Bayern |
9,3 |
14,98% |
81 |
| Berlin |
2,5 |
4,03% |
22 |
| Brandenburg |
2,1 |
3,38% |
18 |
| Bremen |
0,5 |
0,81% |
4 |
| Hamburg |
1,2 |
1,93% |
10 |
| Hessen |
4,4 |
7,09% |
38 |
| Mecklenburg-Vorpommern |
1,4 |
2,25% |
12 |
| Niedersachsen |
6,1 |
9,82% |
53 |
| Nordrhein-Westfalen |
13,5 |
21,74% |
117 |
| Rheinland-Pfalz |
3 |
4,83% |
26 |
| Saarland |
0,8 |
1,29% |
7 |
| Sachsen |
3,5 |
5,64% |
30 |
| Sachsen-Anhalt |
2 |
3,22% |
17 |
| Schleswig-Holstein |
2,2 |
3,54% |
19 |
| Thüringen |
1,9 |
3,06% |
17 |
So, nun bleibt nur noch der Schritt, den Sieger jedes Bundeslandes zu ermitteln und die Stimmen dann dementsprechend zu verteilen.
|
Wahlleute |
Sieger |
| Baden-Württemberg |
67 |
CDU |
| Bayern |
81 |
CSU |
| Berlin |
22 |
SPD |
| Brandenburg |
18 |
SPD |
| Bremen |
4 |
SPD |
| Hamburg |
10 |
SPD |
| Hessen |
38 |
SPD |
| Mecklenburg-Vorpommern |
12 |
SPD |
| Niedersachsen |
53 |
SPD |
| Nordrhein-Westfalen |
117 |
SPD |
| Rheinland-Pfalz |
26 |
CDU |
| Saarland |
7 |
SPD |
| Sachsen |
30 |
CDU |
| Sachsen-Anhalt |
17 |
SPD |
| Schleswig-Holstein |
19 |
SPD |
| Thüringen |
17 |
SPD |
Grafisch sieht das dann so aus:

Man sieht’s glaube ich schon, eine ganz klare Sache. Das amtliche Endergebnis hieße bei dieser Präsidentschaftswahl also:
| Gesine Schwan |
334 |
| Horst Köhler |
204 |
Eine ziemlich derbe Niederlage also für Köhler, wenngleich er sich nicht ganz so schlecht schlüge wie John McCain.
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22. Dez 2008
von
Daniel -
Wie mein Kollege Thomas schon erwähnte, ist die Wahl in den USA noch nicht ganz vorbei. In Minnesota war das Ergebnis, ein Vorsprung von 475 Stimmen die Norm Coleman vor Al Franken lag, derart knapp, dass eine Nachzählung oder Recount erforderlich war ( laut Wahlgesetz in Minnesota gibt es einen automatischen Recount, wenn der Stimmenuntersched unter 0.5% liegt, und keiner verzichtet ). Nach einer ersten Nachzählung der Stimen gab es Mitte bis Ende letzter Woche, in den Sitzungen des Canvassing Boards, Entscheidungen über die Einsprüche der Kontrahenten.
Der Ausschuss hat die Möglichkeit, durch Mehrheitsentscheiung:
- Stimmen bzw Stimmzettel einem Kandidaten gutzuschreben
- Bei Feststellung einer ‘identfying mark’ also einer Rückverfolgbarkeit der Stimme sie für ungültig zu erklären
- Die Stimme als undervote ( zu wenige Stimmen abgegeben, d.h. keine ) oder overvote ( zu viele Stimmen abgegeben ) zu werten
- bei Nichterkennbarkeit des Wählerwillens die Stimme keinem gutzuschreiben
Durch den Livestream des Star Tribune konnte man das ‘Spektakel’ mitverfolgen, wobei man, meiner Meinung nach ( ich habe an zwei Tagen je ca. 3 Stunden ausgehalten ), einen guten Einlick in den Prozess bekam, Transparenz demonstriert werden konnte und die von dem Ausschuss eingesetzten Bewertungsregeln nachvollziehbar waren ( inwieweit sie stringent angewendet wurden, bleibt vor allem bei Brett Favre/Lizard People fraglich, aber dass kann man sicherlich als exotischen Einzelfall werten ).
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13. Dez 2008
von
Daniel -
Es ist schon erstaunlich, auf welche Zustimmungsraten Obama kurz nach der Wahl kommt. Lag er während des Wahlkampfes schon einmal bei 47% während der Berichte um den Pastor Wright, so hat er sich seit der Wahl auf unglaubliche 79% (CNN: Obama honeymoon continues poll shows) erhöht. Die einzelnen Sprünge kann man gut anhand der Rasmussen Daily Presidential Approval Index nachvollziehen.
Die Steigerung beinhaltet sicher den Amtsbonus, den George W. Bush sicherlich immer weniger zugute kommt, bzw. sich bei ihm schon seit langem ins Negative gedreht hat, weshalb man bei Obama wohl das Zusammenspiel vieler Faktoren sehen kann, denn die Meinung der US-Wähler, wie sie in Zustimmungspolls gemessen wird, spiegelt sich in der öffentlichen, durch die Medien wiedergegebene Sichtweise wieder. Hier sieht man, dass Bushs Rolle unterbewertet wird, seine Entscheidungen werden, obwohl sie Obama teilweise binden werden (v.a. Personalentscheidungen, Executive orders), kaum noch wahrgenommen. Obama hingegen wird schon als Präsident angesehen, trotz seiner korrekten Hinweise, dass er de jure noch keine Macht hat.
Interessant wird es meiner Meinung nach zu sehen, ob der Kongress bzw. die demokratische Führung desselben, ihre Rolle in der Transition zu einer Popularitäts- und Einflussteigerung nutzen kann, denn sie stellt eine Konstante im Übergang dar.
Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die Ablehnung des Rettungspakets für die Automobilindustrie allein den Republikanern oder dem Kongress zugerechnet wird.
8. Dez 2008
von
Thomas Furlong -
Ich wollte mal herausfinden, wie viel öffentliches Interesse die US-Wahlen in Deutschland eigentlich generiert haben. Zum Teil natürlich aus Eigeninteresse, weil ich ja einschätzen können möchte, wie viele potenzielle Leser unser Blog günstigstenfalls erreichen könnte.
Ein guter Weg, an Zahlen zu kommen, ist Suchvergleiche bei Google Trends durchzuführen. Die von Google ausgegebenen Verhältniszahlen sind zwar recht grob gerundet, aber mithilfe der Trendlinien lässt sich auch optisch ein guter Eindruck der Ausgangslage gewinnen.
Hier ist das Ergebnis eines Vergleiches der Suchen nach ‘obama’ und ‘merkel’ für 2008, beschränkt auf Deutschland. Ich habe eine Ein-Wort-Suche gewählt, weil das Suchvolumen für beide Begriffe erheblich höher ausfällt als für den vollen Namen:

Blau repräsentiert hierbei passenderweise das Suchvolumen für ‘obama’, das für ‘merkel’ wird von der roten Linie dargestellt. Das gibt lt. Google ein Verhältnis von 1:0,4 – wie man schon an der Linienführung ablesen kann, heißt das für ‘merkel’, dass sie nicht nur zur Wahl unten lag, sondern über den gesamten Jahresverlauf hinweg bei den Suchen stark hinterherhinkte. Die wöchentlich gemessenen Zahlen bestätigen diesen Eindruck: 76% des Jahres wurde stärker nach ‘obama’ gesucht, manchmal sogar erheblich, und bei weiteren 13% waren das Verhältnis in etwa gleich hoch, d.h. für nur etwa 11% des Jahres war die Bundeskanzlerin für Google-Suchende aus Deutschland das gefragtere Thema. (weiterlesen…)