Wer wird zweiter Senator von Minnesota?

Wie mein Kollege Thomas schon erwähnte, ist die Wahl in den USA noch nicht ganz vorbei. In Minnesota war das Ergebnis, ein Vorsprung von 475 Stimmen die Norm Coleman vor Al Franken lag, derart knapp, dass eine Nachzählung oder Recount erforderlich war ( laut Wahlgesetz in Minnesota gibt es einen automatischen Recount, wenn der Stimmenuntersched unter 0.5% liegt, und keiner verzichtet ). Nach einer ersten Nachzählung der Stimen gab es Mitte bis Ende letzter Woche, in den Sitzungen des Canvassing Boards, Entscheidungen über die Einsprüche der Kontrahenten.

Der Ausschuss hat die Möglichkeit, durch Mehrheitsentscheiung:

  • Stimmen bzw Stimmzettel einem Kandidaten gutzuschreben
  • Bei Feststellung einer ‘identfying mark’ also einer Rückverfolgbarkeit der Stimme sie für ungültig zu erklären
  • Die Stimme als undervote ( zu wenige Stimmen abgegeben, d.h. keine ) oder overvote ( zu viele Stimmen abgegeben ) zu werten
  • bei Nichterkennbarkeit des Wählerwillens die Stimme keinem gutzuschreiben

Durch den Livestream des Star Tribune konnte man das ‘Spektakel’ mitverfolgen, wobei man, meiner Meinung nach ( ich habe an zwei Tagen je ca. 3 Stunden ausgehalten ), einen guten Einlick in den Prozess bekam, Transparenz demonstriert werden konnte und die von dem Ausschuss eingesetzten Bewertungsregeln nachvollziehbar waren ( inwieweit sie stringent angewendet wurden, bleibt vor allem bei Brett Favre/Lizard People fraglich, aber dass kann man sicherlich als exotischen Einzelfall werten ).

Obwohl es zwischendurch verwirrende Momente gab ( wie die ‘blue and green folders’, die Absentee-Stimmen enthielten, bei denen man vermutete, dass sie doppelt gezählt wurden ), hatte man doch den Eindruck, dass die Verhandlungen etwas abseits des Kandidatenstreits standen.

Eine Auswahl von bizarren Momenten kann man hier sehen ( via Indecision 2008 Blog ):

\”Lizard People\” invade MN Senate Recount!

Was die Ergebnisse angeht, so stütze ich mich auf die Projections von Nate und dem Star Tribune, die Franken beide mit etwa fünfzig bis hundert (Star: 78; Nate: 70; Franken 35-50) Stimmen vorne sehen und vermuten, dass durch eine Wertung von abgelehnten Absentee-Stimmen, die der State Surpreme Court in jedem Einzelfall von dem Einverständnis beider Parteien abhängig machte, der Vorsprung Frankens nur noch wachsen würde.

Obwohl ich der Person Frankens in Bezug auf das Senatorenamt, etwas skeptisch gegenüberstehe, so muss ich doch sagen, dass Coleman spätestens durch seine Intransparenz beim Recount ( er hat, anders als Franken, keine Daten über seine Challenges bereitgestellt ), seinen Rückzug auf den Klageweg ( wobei er hoffentlich nicht weiter geht als bisher, also z.B. die Legitimität des Canvassing Boards oder der Wahl selbst in Frage stellt ) sowie durch Berichte über Zahlungen an ihn und seine Frau, die moralische Hoheit abgegeben so er sie je hatte (siehe seine Angriffe auf Franken während der Wahl, hier ein Beispiel).

Ob die vom State Surpreme Court gesetzte Deadine bis zum 31.12 reichen wird um alle strittigen Punkte auszuräumen bleibt fraglich, entscheidend aber wird sicherlich sein, wer letztendich eingeschwört wird und von der Kraft des Faktischen profitiert (wobei Franken, durch Sec. of state Mark Ritchie (D) noch einen Trumpf haben könnte). Dass dies Coleman ist, glaubt inzwischen wohl nur noch er selber.

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